Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Kapitalist ohne Aufklärung

Das unendliche Leid, daß er aus reinem egoistischen Profitstreben über Hunderttausende von Menschen brachte, verbietet jede weitere Ehrung und ist durch nichts zu relativieren.“ Energisch klingt die Verlautbarung der Grün-Alternativen Liste (GAL) in Hamburg-Wandsbek. Die Rede ist nicht etwa von einem heutigen Hedgefonds-Manager, sondern von Heinrich Carl Graf von Schimmelmann (1724-1782). Schimmelmann kaufte 1762 dem dänischen König das der Hansestadt nahe Gut Wandsbek ab und förderte den Ort, der danach einen Aufschwung erlebte. Deshalb hat man bei der Neugestaltung des Puvogel-Gartens „drei tragenden Herren der Wandsbeker Geschichte“ je eine Bronzeplastik gewidmet, wie Bezirksamtsleiter Gerhard Fuchs begründet. Neben dem in den dänischen Grafenstand aufgestiegenen Kaufmann aus Mecklenburg auch Heinrich Rantzau, von 1562 bis 1598 dänischer Statthalter in Schleswig-Holstein, und Tycho Brahe, Astronom und „Wahl-Wandsbeker“. Allerdings hat Schimmelmann sein Vermögen auch durch Plantagenwirtschaft in der Karibik und dem „Dreieckshandel“ zwischen Europa, Afrika uns Amerika gemacht – also am aus heutiger Sicht moralisch verwerflichen Sklavenhandel partizipiert. „Afrikaner waren für ihn nur eine Ware“, schimpfen Grüne und „Eine Welt“-Projekte über den vordemokratischen Kapitalisten. Als „völlig instinktlos“ bezeichnet deshalb auch das Boulevardblatt Hamburger Morgenpost die Plazierung der Plastik. Mit gleicher Logik könne man zukünftig auch Hitlerbüsten vor dem Berliner Verkehrsministerium aufstellen, tobt die Mopo, „was der alles für Deutschlands Autobahnen getan hat“.

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