Ende der Verständigung

Gesine Schwan ist die Letzte, die zwischenzeitlich noch sicher sein kann, sich nicht dem Vorwurf einer „Steinbachowiec“ auszusetzen – also als Parteigängerin der verhaßten BdV-Vorsitzenden Erika Steinbach zu gelten. Dafür setzt die Ex-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten in der Hatz gegen deutsche Journalisten schon ihre ganz eigenen Duftmarken. So gab sie als Gastautorin in der Tageszeitung Rzeczpospolita Breitseiten gegen die „Journaille“ ihres Heimatlandes ab, die – wie der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung Thomas Urban – „für das schlechte Bild der polnischen Politik in Deutschland mitverantwortlich“ seien. Die konservative Zeitung Nasz Dziennik veröffentlichte sogar eine „Schwarze Liste“ deutscher Korrespondenten, die nun spüren müßten, daß man „Polen nicht unbestraft beleidigt“. Zudem wirft Schwan Urban auch noch vor, „aktiver Befürworter des Zentrums gegen Vertreibungen“ zu sein. Letzteres stimmt zwar nicht, aber wenn Frau Professorin schon denunziert, muß es sich auch lohnen. Urban, Nachkomme vertriebener Breslauer, widmete sich dem Thema Vertreibung publizistisch immer „im Sinne deutsch-polnischer Verständigung“, und das heißt letztlich im Sinne einer Konsequenz „deutscher Schuld“. Ebenso wie seine taz-Kollegin Gabriele Lesser, die sich jahrelang als antideutsch gefärbte Agitatorin gegen den BdV auszeichnete und die nun in Warschau als Paria gilt, muß er sich nun völlig verstört der Einsicht beugen, welch kleine Rolle das Wort „Verständigung“ im Weltbild nationalistischer Polen spielt – und das nicht erst seit heute.

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles