Blinde Unterwerfung

Zwei Chimären, zwei Unwesen geistern im Zusammenhang mit dem Streit um die Mohammed-Karikaturen durch die politischen Diskussionen Europas: Da ist einmal der orientalische Märchenprinz namens „Friedlicher und freiheitlicher Islam“, von dem alle gehört haben und den noch keiner gesehen hat, an dessen Existenz aber hierzulande allzu viele glauben. Die Gläubigen, die unter den zerschlissenen Fahnen des „christlich-islamischen Dialoges“ dieser Fata Morgana nachlaufen, glauben daran, weil sie sich die Welt rosarot eingerichtet und Angst vor unangenehmen Wahrheiten haben. Das zweite Gespenst ist der komplementäre Gegen-Unsinn, sprich die Vorstellung, alle Muslime seien antidemokratische Gewalttäter und Christenhasser. Die Wirklichkeit ist wieder einmal gleichzeitig einfacher und komplizierter. Einfacher insofern, als vom Koran und seiner offiziellen Tradition her der Islam eine kriegerisch-expansive und autokratische Religion ist und es insofern einen bis auf weiteres unaufhebbaren Gegensatz zwischen Islam und Frieden, zwischen Islam und Freiheit gibt. Der offizielle, vorherrschende Islam leugnet die demokratische Entscheidungsfähigkeit des Individuums und das Existenzrecht der andersgläubigen „Ungläubigen“. Er unterstellt sich religiöse Minderheiten als Staatsbürger zweiter Klasse (die Dhimmis) und verfolgt andere blutig (die Freigeister, Ex-Muslime, „Götzendiener“). Andererseits finden sich unter den Muslimen viele friedfertige, anpassungsbereite und demokratisch gesonnene Menschen. Deshalb muß eine verantwortungsvolle deutsche Politik Einzelpersonen, wenn sie nur bereit sind zur Eingliederung in die deutsche Leitkultur und in eine säkularisierte europäische Gesellschaft, den Weg ebnen, als assimilierte Neubürger die Geschicke der neuen Heimat mitgestalten zu können. Der Islam hat in seiner Geschichte mehrfach – im achten und neunten Jahrhundert, im Hochmittelalter, zuletzt im neunzehnten Jahrhundert – die Chance zu einer grundstürzenden Reformation gehabt und sie nicht genutzt. Stets haben sich die Kräfte einer geistfeindlichen Buchstabengläubigkeit, einer eindimensionalen Ineinssetzung von Glauben und Politik, einer gewaltfixierten Eroberungshaltung durchgesetzt. Fatalerweise sind über die Jahrhunderte hinweg die Strömungen der Vernunft und Toleranz eher schwächer geworden. Gegenwärtig triumphieren in der orientalischen Welt die Dunkelmänner der Hamas und die Chomeini-Epigonen bzw. Pseudo-Reformer wie Erdogan. Warum ist der Islam so totalitär, unfriedlich, freiheitsfeindlich? Es sind drei zentrale Gründe zu nennen: l Der Islam verabsolutiert die blinde Unterwerfung unter den Willen Gottes. Gehorchen, ohne zu fragen, wird zum Ideal erklärt. Mohammed gehorchte Allah und übernahm die Verkündigung, die Gläubigen gehorchen seinem Wort, das zur Buchstabe für Buchstabe ewig gültigen Offenbarung erklärt wird. Der Ausweg der Mutaziliten, den Koran als historisches Dokument zu lesen und zu relativieren, wurde und wird bewußt verworfen. Damit bleiben die historisch entstandenen Haßtiraden gegen Juden und Christen ebenso ewig und uneingeschränkt in Kraft wie die Verheißung an die Muslime, morgen werde ihnen die ganze Welt gehören. l Der Islam ist entstanden als aus arabischen Kulten, Christentum, Judentum und iranischem Ultradualismus zusammengefügte Mischideologie. Sie wurde von einer religiös-politischen Richtung um Mohammed dazu benutzt, die arabischen Stämme zu einigen, Byzantiner und Perser zu überwinden und ein Imperium zu errichten. Zu diesen weltlichen Zwecken paßte natürlich keine Trennung der zwei Reiche des Glaubens und des materiellen Alltags, keine Toleranz für Herrschaftskritik und freies Denken. l Der Islam ist eine kollektivistische Gedankenkonstruktion, die den ungebärdigen Geist des Einzelmenschen unterdrückt und nur den Gleichschritt der uniformierten, uninformierten, möglichst exakt alle Riten und Verbiegungen befolgenden Gesamt-Gemeinde (der Umma) zuläßt. Die unvermittelte, unmittelbare persönliche Begegnung mit Gott ist dem Islam stets suspekt. Ob wir es wollen oder nicht: Der kalte und heiße, offene und untergründige Krieg der Kulturen ist längst im Gange, und zwar nicht als Wettstreit um bessere Alternativen, sondern als Kampf auf Leben und Tod. Gewinnt der Islam ihn, werden die Islamisten und ihre dummdeutschen Mitmarschierer in einigen Jahrzehnten nicht nur auf den Straßen in Berlin-Kreuzberg die Macht übernehmen – sofern sie es nicht schon getan haben. Bei aller Notwendigkeit politischer Kompromisse müssen wir entschlossen für unsere demokratischen und humanistischen Überzeugungen eintreten – und damit dafür, daß das Vordringen des Islam durch Aufklärung und Mission eingedämmt und der terroristische Islamismus überwunden wird. Dann könnten sich vielleicht doch noch jene Kräfte durchsetzen, die die lange überfällige und unterdrückte Reform des Islam an Haupt und Gliedern verwirklichen. Rolf Stolz ist Mitbegründer der Grünen, Publizist und Buchautor. Zuletzt veröffentlichte der Islam-Experte das Buch „Die Mullahs vom Rhein“ (Herbig Verlag, München 2005).

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