Autopilot zum Bosporus

Wie ein Tanker bewegt sich Europa langsam, scheinbar unaufhaltsam auf eine Entscheidung zu, die das Gesicht des Kontinents bis zur Unkenntlichkeit entstellen könnte. Am 3. Oktober sollen die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beginnen, die schon in zwei Jahrzehnten mit 90 Millionen der bevölkerungsreichste Staat der Union wären. Trotz aller Zweifel scheinen die EU-Regierungschefs entschlossen, den Tanker auf Blindkurs zu halten. Wenn in sechs Monaten die Verhandlungen beginnen, ist der Autopilot zum Bosporus eingestellt. Von der Paneuropa-Union, die für ein geeintes und christliches Europa kämpft, dürfte man da heftigsten Widerstand erwarten. Doch ihr neuer Vorsitzender, der französische UMP-Abgeordnete Alain Terrenoire, gibt sich erstaunlich gelassen. Die Frage sei gar nicht aktuell, wiegelt Terrenoire in der Verbandszeitschrift ab. Er gehöre nicht zu denen, die „automatisch in Erregung geraten“, sollte die Türkei einst Mitglied werden. Immerhin hat die Paneuropa-Union klar ablehnende Beschlüsse zu dieser Schicksalsfrage gefaßt. Dirk Hermann Voß, der Vizepräsident der deutschen Sektion, beklagt „die unverhohlen christenfeindliche Haltung des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan“. Sein Chef sieht ein Europa à la turca „ohne Übermaß an Leidenschaft, Ablehnung oder Furcht“. – Den Tanker stoppen könnte übrigens ein negatives Votum der Franzosen zur EU-Verfassung. Jüngst hatten erstmals die Gegner in einer Umfrage mit 51 Prozent knapp die Nase vorn.

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