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Privileg der Historiker

Rechthaben ist ein Privileg der Historiker. Wenn die Fakten geschaffen sind und der Pulverdampf sich verzogen hat, zeigt sich allmählich, daß die Dinge doch nicht so alternativlos waren, wie es die Akteure im Rausch des Handelns hingestellt haben. So war es schon beim Golfkrieg von George Bush senior, der im nachhinein als „Schlacht der Lügen“ entlarvt wurde. Jetzt also ist George Bush juniors Krieg an der Reihe. Wirklich überraschend ist es nicht, was das Carnegie Endowment for International Peace und Bushs vor gut einem Jahr gefeuerter Finanzminister O’Neill in den letzten Tagen ausgepackt haben. Die angebliche Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen wurde aufgebauscht, der Krieg gegen Daddys Erzfeind war vom ersten Regierungstag an beschlossene Sache und der Anti-Terror-Krieg nur ein Vorwand – das Bild wird schärfer, das künftige Historiker vom Feldzug gegen Saddam Hussein zeichnen können: Es war eine gigantische und skrupellose propagandistische Manipulation, die einen Goebbels vor Neid erblassen lassen könnte. Daß jetzt gegen O’Neill wegen Geheimnisverrats ermittelt werden soll, klingt wie ein Geständnis: Hätte der Ex-Minister sich alles nur ausgedacht, griffe der Vorwurf wohl kaum. Doch selbst wenn die Irak-Lügen Bush die Wiederwahl kosten sollten – am angerichteten Chaos im Nahen Osten ändert das wenig. Solange das Dogma der Narrenfreiheit für Israel besteht, wird die arabische Welt dem Westen Kopfzerbrechen und neue Konflikte bereiten. Daß Politiker aus Fehlern lernen, ist selten – Rechthaben ist eben etwas für Historiker.

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