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Parteipolitisch motiviert

Der Fall Ernst Welteke, dessen Sturz zwischenzeitlich als sicheres Ergebnis erschien, gerät auf Schlingerkurs. Nachdem die Spesenverfehlungen des Bundesbankpräsidenten anläßlich der protzig-arroganten Beerdigungsfeier der Deutschen Mark zunächst auch den zynischsten Bundesbürger zu der Einsicht führten, daß allein ein Rücktritt Weltekes – ob von sich aus oder von Regierungsseite initiiert – dauerhaften Schaden von der Institution Bundesbank abwenden könnte, zeichnet sich nun eine der peinlich beschämenden Aussitzstrategien ab, die in der Berliner Republik bei „Wirtschaftsvergehen“ führender Politiker so elend üblich geworden sind. An der nahezu subversiv aufgebauten Verteidigungsmasche, die Spesenritterei Weltekes sei doch gar nicht so schlimm und durchaus üblich, und überhaupt müsse der Arme eine Retourkutsche Hans Eichels erdulden, weil er sich dem Verkauf des Bundesbankgoldes widersetze, nach dem die Regierung zur Finanzierung fehlender Bildung giert, mag ja was dran sein. Nur, wenn die Bundesbank sich noch einen Hauch ihrer ehemaligen Seriosität erhalten will, kann und darf sie einen Präsidenten der Marke Welteke nicht länger tolerieren. Schon schlimm genug, daß einer wie Welteke überhaupt an die Spitze der Bundesbank geraten konnte. Alle parteipolitisch motivierten Besetzungen in der Vergangenheit mutierten in ihrer Amtszeit durch den Geist der Bundesbank zu treuen Verteidigern der deutschen Währungsinteressen. Welteke hat zwar keine nationale Währung mehr zu verteidigen, nationaler Anstand sollte aber noch bewahrt sein.

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