AfD Alternative für Deutschland Wahlkampagne

 

Es ist nie zu spät

Am 26. März 1998 erklärte der Deutsche Bundestag: „Die Sprache gehört dem Volk!“ Am 27. September 1998 beschlossen die Schleswig-Holsteiner gegen ein Bündnis der Schulbuchverlage mit Funktionären der GEW, des Philologenverbandes und des Bundeselternrats in einem Volksentscheid, die Rechtschreibreform nicht einzuführen. Im Widerspruch dazu entschieden Nachrichtenagenturen und Zeitungsverleger Anfang Oktober 1998, unter Mißachtung des Volkswillens, die „Reform“ am 1. August 1999 doch einzuführen. Als die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 1. August 2000 aber zur herkömmlichen Rechtschreibung zurückkehrte und im August 2000 Theodor Ickler sein „Rechtschreibwörterbuch“ in der bewährten Rechtschreibung veröffentlichte, waren das unübersehbare Alarmsignale. Doch in der CSU galt damals noch der Grundsatz: „In der Politik wie in der Kriegsführung gilt die Regel, daß man eine einmal beschlossene Sache durchficht, auch unter Inkaufnahme von Nachteilen.“ Noch in seinem Schlußwort am 5. Februar 1997 in der Podiumsdiskussion über die Rechtschreibreform „Deutschland zum Diktat!“ der Süddeutschen Zeitung in München sagte Bayerns damaliger Kultusminister Hans Zehetmair als braver Parteisoldat: „Als Staatsorgan habe ich die Reform zu vollziehen.“ Aber seitdem Zehetmair Vorsitzender des katholischen Männervereins von Tuntenhausen ist, ließ ihn sein Gewissen nicht ruhen. In einem Interview erklärte er: „Aber aus heutiger Sicht und noch deutlicherer Kenntnis der deutschen Wesensart würde ich die Sache heute ganz zum Scheitern bringen. Wir hätten die Rechtschreibreform nicht machen sollen. Ich sage: Politik, Hände weg von einer Rechtschreibreform! Sprache ist ein dynamischer Prozeß, sie muß wachsen und entstehen.“ Welches Chaos die Rechtschreibreform anrichten würde, habe man erst in den neuen Wörterbüchern im Spätsommer 1996 gesehen. Freimütig räumte er ein, daß Reue über eine Fehlentscheidung erst überzeugend wirke, wenn sie zur „tätigen Reue“ wird. Und er gibt zu verstehen, daß er „mit Rat und Tat“ zu helfen bereit sei, einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden. Denn: „Es gibt keine Notwendigkeit, daß das so bleibt.“ Aus dem Saulus wurde also ein Paulus. Überhaupt wuchs die Front gegen die Schlechtschreibreform. Einige Beispiele aus einer langen Liste: Im Herbst 2003 riefen internationale Schriftsteller zum Boykott der Rechtschreibreform auf, und zahlreiche Akademien der Wissenschaften forderten ihre Rücknahme. In den folgenden Monaten häuften sich die Appelle, Resolutionen und Petitionen, in denen Hunderte von Sachverständigen (Deutschlehrer, Rechtsprofessoren), Prominenten und Institutionen (PEN-Zentrum, Goethe-Institut, der Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste) für eine Rückkehr zur bewährten Rechtschreibung plädierten. Der Deutsche Elternverein bat die Kultusminister, die Entscheidung über die „Neuregelung der deutschen Rechtschreibung“ noch einmal zu vertagen, und selbst ein erster Schulbuchverlag (Stolz) forderte inzwischen die Rücknahme der Schreibreform. In dieser Situation haben sich nun die Ministerpräsidenten der Union Christian Wulff (Niedersachsen), Peter Müller (Saarland) und Edmund Stoiber (Bayern) der Sache angenommen und ebenfalls eine Rückkehr zur herkömmlichen Rechtschreibung gefordert. Nun taucht plötzlich als neuer Chef des Philologenverbandes Heinz-Peter Meidinger auf und warnt vor einer Rücknahme der Rechtschreibreform. Meidinger war seit 1997 der willige Vollstrecker Zehetmairs und trat trotz der Opposition der Lehrerbasis für die Rechtschreibreform ein. Heinz-Peter Meidinger verkaufte die Lehrer und machte mit Hilfe der sogenannten Rechtschreibreform Karriere. Weitsichtige Politiker können nicht übersehen, daß die Rechtschreibreform Milliarden kostet und dem Export schadet. Heute befinden wir uns erst am Rand eines Kostengebirges durch permanente exportschädliche Rechtschreibreformen. Die öffentlichen Haushalte dürfen daher nicht weiterhin als Selbstbedienungsladen dienen und die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Druckbranche in Gestalt permanenter Rechtschreibreformen finanzieren. Nun haben auch führende Unionspolitiker wie Christian Wulff erkannt, daß man auf Dauer nicht gegen den Willen des Rechtschreibvolkes handeln kann. Er sagt: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!“ und fordert die Rücknahme der Fehlkonstruktion. Die Ministerpräsidenten verbindet nun auch, daß sie sparen und daher die permanenten export- und haushaltsschädlichen Rechtschreibreformen verhindern müssen. Dabei wären sie gut beraten, sich eines Mottos des Vereins für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (VRS) zu erinnern: „Es ist nie zu spät, Natur-, Kultur- und Sprachzerstörung, Entdemokratisierung, Korruption und Steuerverschwendung zu stoppen!“ Manfred Riebe ist Lehrer. Er gründete im Mai 1997 zusammen mit anderen Lehrern den Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V., Schwaig bei Nürnberg, als Initiative gegen die Rechtschreibreform. Internet: www.vrs-ev.de bzw. www.vrs-ev.de/vorstand.php#riebe

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