Erfolgsbilanz

Das Ausscheiden von Florian Gerster aus seinem bisherigen Amt verspricht für alle Beteiligten ein Gewinngeschäft zu werden. Die Bundesagentur für Arbeit verliert einen nicht mehr tragbaren Mann an ihrer Spitze, dürfte diesen aber bis auf weiteres als einen ihrer prominenteren Kunden an sich binden können. Ein Vertrauensgewinn in der Öffentlichkeit ist zu erwarten: Wenn aktive oder ehemalige Mitarbeiter (und somit Insider) eines Unternehmens selbst dessen Dienstleistung in Anspruch nehmen, wird dies normalerweise – und zu Recht – als ein Beleg für dessen Qualität gewertet. Auf Gerster wiederum dürfte eine Abfindung zukommen, die ihn den Trennungsschmerz verwinden läßt. Er wird zwar nicht in der Liga jener Top-Manager mitspielen können, über die derzeit in Düsseldorf die Justiz befindet. Über das bescheidene Niveau der Abschiedsvergütung für Spitzenbeamte oder Politiker, die es außerplanmäßig in den Ruhestand verschlägt, müßte er aber doch deutlich hinauskommen können. Insofern zeitigt das neue marktwirtschaftliche Denken in der einst so verknöcherten Nürnberger Behörde ein erstes handgreifliches Ergebnis. Gerster hat zudem das Glück, daß man das Ergebnis seiner Reform in einigen Jahren nun nicht mehr an den Versprechungen messen wird, mit denen vor zwei Jahren alles begann. So schneidig der Diplom-Psychologe ansonsten auch auftreten kann: Gegenüber der Öffentlichkeit hat er nur in eher weniger wichtigen Fragen den Hardliner markiert und ansonsten ihren Vorurteilen und Ängsten Tribut gezollt. Er hätte den Menschen, die das Wesen der Freien Marktwirtschaft nach dem Ende des Sozialismus nicht begriffen haben oder nicht begreifen wollten, eigentlich zu allererst sagen müssen: Arbeitslosigkeit mag für Euch ein Problem sein, für unsere Unternehmen ist sie dies nicht. Unsere Wirtschaft braucht vielmehr einen gewissen und nicht zu knappen Druck am Arbeitsmarkt, damit Eure Ansprüche nicht in den Himmel wachsen. Statt dieses offene Wort zu riskieren, das seine Beliebtheit auch nicht mehr weiter gemindert hätte, meinte er jedoch, an die Fehler von Gerhard Schröder und schon Helmut Kohl anknüpfen zu müssen, und verhieß eine deutliche Senkung der Arbeitslosenquote. Gersters Erfolgsbilanz kann dies jedoch nicht wesentlich schmälern – gerade weil er seinen Worten keine Taten folgen ließ. Unter seiner Ägide hat sich die Bundesagentur von der Illusion verabschiedet hat, der Arbeitslosigkeit Herr werden zu können. Sie beschränkt sich statt dessen auf das Kerngeschäft, diese zu vertretbaren Kosten zu managen. Ihre Statistik bildet nicht mehr stur realwirtschaftliche Tendenzen ab, sondern antizipiert die Wirkung von Zahlen in der Bevölkerung. Der Druck auf die Arbeitslosen hat ihnen ein neues Selbstwertgefühl gegeben. Wer ohne Job ist, gilt nicht länger als Leistungsverweigerer. Es macht wieder Spaß, seinen Arbeitsplatz zu verlieren.

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