Schlechte Fälschung

„Tarnen, tricksen, täuschen“ wirft die US-Regierung dem irakischen Diktator Saddam Hussein vor und drängt deshalb nicht bloß auf die Entwaffnung des Irak, sondern auf einen Regimewechsel in Bagdad – wenn es denn sein muß, mit einem Krieg. Doch Zweifel an der Redlichkeit der Kriegsbefürworter werden immer lauter. Prominentester Kritiker ist Mohammed al-Baradei, Generaldirektor der internationalen Atomenergiebehörde. Sein Vorwurf: Den UN-Inspektoren sind von „Geheimdienstkreisen“ gefälschte Dokumente über das angebliche irakische Atomwaffenprogramm übergeben worden. Damit sollte Bagdad belastet werden. Angeblich hatten irakische Agenten vor zwei Jahren versucht, im afrikanischen Niger Uran zu kaufen, das in einer sogenannten Gasultrazentrifuge zu waffenfähigem Material angereichert werden könnte. Die UN recherchierten und verglichen die Geheimdienstpapiere mit echten Dokumenten aus dem Niger. Ergebnis: Frappierende Unterschiede. Der Briefkopf stimmte ebensowenig wie das Format. Es handelte sich laut al-Baradei um „schlecht gemachte Fälschungen“. Somit gibt es derzeit keinen Beweis für ein – von den USA gebetsmühlenhaft behauptetes – Atomwaffenprogramm des Irak. US-Außenminister Colin Powell sieht das ganz anders, schließlich habe er „bessere Informationen und mehr Mittel als die Inspekteure“. Er warnt, man solle „dem Irak nicht zu rasch einen Persilschein ausstellen“. Die USA werden das zu verhindern wissen, denn: Geschichte schreibt einzig der Sieger.

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