Realitätsverlust

Als „Abzockorgie und unerträgliche Belastung“ hat der Sozialverband VdK die Rentenkürzungspläne der Bundesregierung gebrandmarkt. „Das Maß ist voll! Deutschlands Rentner sind nicht die Sparschweine der Nation“, wetterte VdK-Präsident Hirrlinger. Deshalb wurde die Aktion „Deutschlands Rentner wehren sich!“ ins Leben gerufen: Per VdK-Musterschreiben sollen die 20 Millionen Rentner Widerspruch gegen die Rentenanpassung 2003 (0,6 Prozent weniger als erwartet) einlegen. Ansonsten bestünde ja „die Möglichkeit, sich auf dem Wahlzettel zu wehren“, meinte der einstige SPD-Minister. Doch das Geld für die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) kommt zum Großteil von den weniger werdenden und immer höher belasteten „regulären“ Arbeitnehmern. Von der wachsenden Zahl von Leiharbeitern, Scheinselbständigen, „Ich-AGs“ oder „Mini-Jobs“ ist wenig zu erwarten, vom Millionenheer der Arbeitslosen und Sozialhilfempfänger gar nichts. Auch der Bundeszuschuß zur GRV kann nicht beliebig gesteigert werden – im Gegenteil: Immer mehr öffentlich Bedienstete gehen in Pension und müssen aus der Steuerkasse alimentiert werden. Eine Rentennullrunde und ein höherer Krankenkassenbeitrag ab 2004 sind nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was kommt. Denn auch in der Kranken- und Pflegeversicherung fordern Demographie und Wirtschaftsmisere ihren Tribut: Immer weniger gesunde Arbeitende müssen immer mehr Kranke und Gebrechliche finanzieren. Dies kann auch eine neue „Rentnerpartei“ nicht ändern.

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