Der Große Knall

Nachdem die Brüsseler Bürokraten entschieden hatten, daß die EU-Osterweiterung auf einen Schlag für zehn Kandidaten gelten soll, bürgerte sich alsbald der Begriff des „Big Bang“ für diesen Prozeß ein. Zwar meinen EU-Euphoriker mit diesem Anglizismus nur die Größe und Wucht dieser Erweiterung beschrieben zu haben, aber wie so oft, verraten die nackten Worte mehr, als ihren Schöpfern recht ist. Richtig, der „Große Knall“ wird kommen, aber nicht so, wie ihn sich Brüssel ausgemalt hat. Am Tag der Abstimmung über die Osterweiterung im Europaparlament erklärte der für die SPÖ gewählte EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin gegenüber Spiegel-online, warum er mit Nein stimmen werde. Die EU habe ihre Hausaufgaben nicht gemacht, und sei daher gar nicht reif für die Aufnahme neuer Kandidaten, so eines seiner bekannten Argumente. Aber noch treffender war Martins Erkenntnis, mit der Erweiterung werde sich die „Brüsseler Korruptionskultur“ mit der des Ostens mischen. In der Tat öffnet sich hier eine schreckliche Perspektive. Jeder, der „den Osten“ etwas kennt, weiß von dieser Krankheit, die zwar schon vor dem 20. Jahrhundert zu wuchern begann, aber erst in der kommunistischen Ära zur „Hochkultur“ gezüchtet wurde. Die EU bekommt durch die „Neuen“ 75 Millionen Bürger hinzu, die bestens darin trainiert sind, sich in diesen Grauzonen zu bewegen. Für die Effektivität der jetzt schon schwerfälligen EU-Administration bedeutet diese große Erweiterung eine tödliche Infektion.

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