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Das System war stärker

Ist Jörg Haider – einst Hoffnung – von der Lust am Untergang ergriffen? Jetzt hat das "einfache Parteimitglied" Haider den von ihm ursprünglich eingesetzten Herbert Haupt als Vizekanzler wieder abgesetzt und als Noch-FPÖ-Parteichef entmachtet. Das Sagen hat künftig in der FPÖ die bisherige Sozial-Staatssekretärin Ursula Haubner – Jörg Haiders ältere Schwester -, so daß in Wien bereits über eine neue Variante freiheitlicher "Familienpolitik" gespottet wird. Neuer Vizekanzler wird der aus Vorarlberg stammende Hubert Gorbach unter Beibehaltung seines Kabinettsressorts als Infrastruktur- und Verkehrsminister. Haider, der die FPÖ in die Höhe brachte, will jenen Absturz noch einmal abwenden, den er selber heraufbeschwor.

Dem begabten Politiker und Volkstribun fehlte es an Menschenkenntnis: nur so ist zu erklären, daß sich fast alle seine Personalentscheidungen als Mißgriffe erwiesen. Das hängt wohl auch damit zusammen, daß er nur Jasager duldete. Jetzt stellt sich heraus, daß er die traditionelle FPÖ ideenmäßig entkernt hat. An die Stelle von Überzeugungen traten in seinem Umfeld flotte Karrieristen wie der jugendliche Finanzminister Karlheinz Grasser, der Haider inzwischen den Rücken kehrte. Ob die völlig desorientierte, innerlich zerstrittene FPÖ noch einmal auf die Beine kommt, ist fraglich. Die Partei, die seinerzeit gegen Privilegien und Verfilzungen auftrat, ist inzwischen selber vielfache Nutznießerin von Ämterpatronage. Wie gewonnen, so zerronnen – das System war stärker als die guten Vorsätze.

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