Joachim Kuhs

 

Bremen hat gewählt

Die Bremer Bürgerschaftswahl barg einige Überraschungen. Zunächst erlebten die Fernsehzuschauer außerhalb Bremens am Wahlabend mit Wahlsieger Henning Scherf von der SPD einen neuen Aspiranten auf das Amt des Bundespräsidenten: Staatsmännisch, gediegen, gelassen prallten die hektischen Reporterfragen an ihm ab. Tatsächlich ein für Politiker ungewöhnlich sympathischer Mann, keine Frage. Es ist nachvollziehbar, daß in einer stark personalisierten Wahlentscheidung der farblose Hartmut Perschau von der CDU regelrecht absoff. Verblüfft waren auch viele über das Abschneiden der kleinen Parteien. Die Frage, ob FDP, DVU und Schill-Partei über die Bremerhavener Wähler doch den Sprung ins Landesparlament schaffen, bescherte spannende Minuten. Unerwartet war in jedem Fall das starke Abschneiden der letztlich dennoch glücklosen Schill-Partei, die DVU und FDP noch überholte. Daß dieser Achtungserfolg gelang, obwohl Schill selbst merkwüdigerweise lediglich zweimal in Bremen auftrat, läßt ahnen, welches Potential derzeit von einer engagierten konservativen Alternative neben der Union zu holen wäre. Doch wie soll sich bürgerlicher Protest parlamentarisch artikulieren, wenn er immer wieder so schlecht organisiert ist, sich so diffus formiert und schließlich keine zustimmende Resonanz in den großen Medien findet? Die Konsequenz bedeutet wieder nur ein Anwachsen der Verdrossenheit und eine Abwendung der Bürger von der Politik.

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