Bilanzbeeidigung

Amerikas Unternehmer werden jetzt zur Beeidigung ihrer Bilanzen gezwungen. Die USA wollen damit das Vertrauen der Aktionäre wieder herstellen, nachdem die Tatbestände der willkürlichen Bilanzfälschungen flutartig angestiegen und durch falsche Gewinnangaben die Aktienkurse abgestürzt waren. Nun können amerikanische Chefmanager bis zu zwanzig Jahre ins Gefängnis wandern, wenn sie durch „kreative Buchführung“ die Wirtschaftslage ihrer Firmen ins falsche Licht setzen. Das Gute an der Nachricht wird getrübt durch die Auffassung der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde, auch ausländische Firmen müßten zu diesem Eid gezwungen werden. Die betroffenen deutschen Unternehmen unterstützen zwar das Prinzip der Bilanzbeeidung, weisen allerdings zu Recht darauf hin, daß amerikanische Chefmanager über eine größere Macht verfügen als deutsche Vorstandsvorsitzende. Das Lamento der Bundesregierung über eine unzulässige Ausweitung der amerikanischen Rechtsprechung auf den deutschen Rechtsraum überzeugt dagegen nicht. Wenn die Bundesjustizministerin nun einen Konfrontationskurs der EU gegenüber den USA fordert, liegt sie falsch. Die US-Börsen wollen ihre nationalen Interessen wahren. Ausländische Firmen haben sich daran zu halten oder den US-Börsenmarkt zu verlassen. Allerdings ist der Eid auf die Wahrhaftigkeit der Bilanz nur ein schwacher Versuch, der Buchhaltung ein zusätzliches Gütesiegel zu verpassen. Die Aktionäre bekommen damit auch nicht die Wahrheit der Bilanzaussage garantiert.

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