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Protest unter „Riesa Nudeln“-Angestellten: „Die Niedriglohnmauer muß fallen“

Protest unter „Riesa Nudeln“-Angestellten: „Die Niedriglohnmauer muß fallen“

Protest unter „Riesa Nudeln“-Angestellten: „Die Niedriglohnmauer muß fallen“

Demonstration der Arbeiter vor dem Brandenburger Tor Foto: JF
Demonstration der Arbeiter vor dem Brandenburger Tor Foto: JF
Demonstration der Arbeiter vor dem Brandenburger Tor Foto: JF
Protest unter „Riesa Nudeln“-Angestellten
 

„Die Niedriglohnmauer muß fallen“

Am Tag des Mauerfalls vor 33 Jahren ziehen 35 Angestellte von „Riesa Nudeln“ aus Sachsen, um 12.21 Uhr durchs Brandenburger Tor. Lauthals tröten sie. Sie tragen Plakate auf denen zu lesen ist: „Wir sind das Werk“, oder: „Lohngerechtigkeit in Ost und West“. Die rund 150 Mitarbeiter des ostdeutschen Nudelmarktführers streiken seit fünf Wochen. Ihre Forderungen: Weg vom Mindestlohn und raus aus dem Niedriglohn.

„Wir stehen hier heute stellvertretend für Millionen Beschäftigte aus Ost und West, die gerade mal den Mindestlohn oder weniger verdienen“, ruft Olaf Klenke von der Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten (NGG) ins Megaphon. „In der Zeit dieser Inflation kommen die Leute nicht mehr über die Runden. Wir brauchen ordentliche Löhne in Ost und West. Und die Lohnmauer, die es gibt, die Niedriglohnmauer, die muß endlich fallen, dafür sind wir heute hier.“

Belegschaft fordert Erhöhung des Stundenlohns um zwei Euro

Die Gewerkschaft fordert gemeinsam mit der Belegschaft eine Erhöhung der Stundenlöhne bis Ende 2023 um zwei Euro die Stunde und das in zwei Schritten. Einen Euro sofort und den zweiten Euro im kommenden Jahr. Doch die Eigentümerfamilie der Fabrik, zumal Firmenleiterin Irmgard Freidler aus Baden-Württemberg auch Alb-Gold Teigwaren in Trochtelfingen gehört, will die Forderungen nicht ganz erfüllen. Ihr Angebot: Lohnanhebung um 1,20 Euro. Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit Oktober 2022 bei zwölf Euro.

Mechatroniker Andreas Wolf: Lohnerhöhung in zwei Schritten Foto: JF

„Ich arbeite in der Technik“, sagt Andreas Wolf (39). Seit 14,5 Jahren arbeitet der Mechatroniker bei Riesa Nudeln. „Ich bekomme 16 Euro die Stunde, aber die meisten von uns nur 12,51 Euro. Und das im Drei-Schicht-Betrieb und Wochenendschichten.“ Obwohl Wolf zu den Besserverdienern gehört, kann er sich der Vater von drei Kindern keine großen Sprünge leisten. „Wir haben kein Haus, ich fahre einen 13 Jahre alten Touran, mein Camper ist 30 Jahre alt. Urlaub machen wir bei Verwandten in Bayern, die uns unterstützen.“

„Hohe Solidarität in fast allen Abteilungen“

Der 56 Jahre alte Lutz Bradatsch ist einer der vielen Kollegen, die nur 12,51 Euro verdienen. „Ich bin gelernter Bäcker und arbeite als Maschinenführer in der Verpackung im Werk II in Riesa.“ Bald zehn Jahre ist er dabei. „Ich lebe vom Streikgeld. Die Höhe soll das Netto abbilden, allerdings gibt es natürlich keine Zahlung von Zuschlägen. Ab Dezember sind wir dann alle auf den Solifond der Gewerkschaft angewiesen. Der ist ein Klasseidee, aber dann wird es eng.“

Lutz Bradatsch, Maschinenführer: Ist unzufrieden mit dem Angebot des Unternehmens Foto: JF

Doch den Streik aufzugeben, ist für die Riesaer Belegschaft keine Option. „Wenn wir das tun“, sagt Bradatsch, „dann war alles umsonst.“ Auch Anke Stets (54) demonstriert vor dem Brandenburger Tor und gibt ihrem Kollegen recht: „Es herrscht wirklich hohe Solidarität in fast allen Abteilungen.“ Und während 35 Kollegen des Nudelherstellers in Berlin demonstrieren, steht zur selben Zeit der Rest der Belegschaft in Riesa vorm Werkstor.

„Gearbeitet wird da nicht mehr, die Maschinen stehen still“, sagt Wolf. „Nur noch im Werk I werden die Silos geleert, mit angelernten Ausländern.“ Bradatsch sagt zum Abschied: „Ich verstehe die Firmenleitung nicht. Es geht doch eigentlich nur noch um 80 Cent. Wir könnten alle im Werk stehen und arbeiten.“

Demonstration der Arbeiter vor dem Brandenburger Tor Foto: JF
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