links: Der Bundestagsabgeordnete Frank Magnitz im Krankenhaus nach dem Angriff. rechts: Blutspuren am Tatort in Bremen Foto: picture alliance/Helmut Reuter/dpa / AfD / JF-Montage
Überfall auf AfD-Politiker

Magnitz: „Erstaunlich, daß nichts gebrochen ist“

BREMEN. Politiker verschiedener Parteien haben den Anschlag auf den AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz in Bremen verurteilt. Magnitz äußerte sich gegenüber der JUNGEN FREIHEIT vom Krankenbett. Er liegt derzeit mit Kopfverletzungen in einem Bremer Krankenhaus. Über den Tathergang sagte er:

„Ich war auf dem traditionellen Neujahrsempfang des Weserkuriers in der Kunsthalle Bremen. Der Bremer Senat, Bürgerschaftsabgeordnete, Beamte und eben auch Bundestagsabgeordnete sind dort zu Gast. Ich verließ den Empfang kurz vor 18 Uhr. Meinen Wagen hatte ich in der Theatergarage geparkt. Dummerweise ging ich eine Abkürzung über ein Gelände hinter dem Theater, wo wenige Passanten waren“, schildert Magnitz die Situation vor dem Angriff.

„Dann bekam ich einen Schlag auf den Schädel und erinnerte ich mich an nichts mehr. Als ich wieder zu mir kam, fühlte ich, daß ich mit dem Rücken an eine Wand gelehnt auf dem Boden saß und ich hörte eine Stimme.“ Sie gehörte einem der beiden Handwerker, die drei Vermummte gesehen hatten, die Magnitz gefolgt waren. Sie alarmierten die Rettungskräfte, als sie den Überfall bemerkten.

Attacke ruft Bestürzung und Wut hervor

Der Parlamentarier schildert die Brutalität, mit der er attackiert wurde. „Meinen Kopf hat es von allen Seiten erwischt und meine gesamte linke Körperseite. Mit dem Kantholz haben sie auch auf mein Knie eingeschlagen. Es ist erstaunlich, daß nichts gebrochen ist“, zeigte sich Magnitz überrascht.

Die Attacke auf den sechsfachen Vater hat Bestürzung und Wut unter seinen Parteifreunden ausgelöst. Der Partei- und Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Alexander Gauland, verurteilte den „Mordversuch aufs Schärfte“. Für ihn ist die Tat die Folge der andauernden Ausgrenzung und der Hetze gegen seine Partei. Während eines Pressetermins am Dienstag gab er namentlich den Grünen eine Mitschuld.

Auch Gaulands Co-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel äußerte sich „absolut schockiert über diese widerliche Tat“. Für sie ein Zeichen, daß das mediale Treiben gegen die Partei Früchte trage, teilte sie in einer Stellungnahme auf Facebook mit.

Linkspartei verbreitet Parole „Nazis raus“

Der Co-Parteivorsitzende der AfD, Jörg Meuthen, erinnerte daran, daß es sich nicht um den ersten tätlichen Angriff auf ein Parteimitglied gehandelt habe . Aus dem Überfall auf Magnitz leitete Meuthen zwei Forderungen ab. AfD-Politiker sollen seinem Willen nach Polizeischutz erhalten. Außerdem müsse der Verfassungsschutz Parteien beobachten, die sich nicht klar von der Antifa distanzierten. Namentlich nennt der EU-Abgeordnete in einer Stellungnahme auf Facebook die SPD, die Grünen und die Linkspartei.

Die Linkspartei verbreitete über ihre offiziellen Kanäle „aus aktuellem Anlaß“ die Botschaft „Nazis raus“.

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, rügte seine Parteifreunde auf Twitter dafür und erinnerte daran, daß es keine Rechtfertigung für ein solches Verbrechen gebe.

Bundesregierung verurteilt die Tat

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiner wünschte Magnitz in einem Brief eine gute und schnelle Genesung. „Ich verurteile diesen Angriff in aller Deutlichkeit“, zitierte die Nachrichtenagentur dpa aus dem Schreiben des Staatsoberhauptes.

Auch andere Spitzenpolitiker verurteilten den Angriff. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) forderte in den sozialen Medien, die Täter müßten konsequent bestraft werden. Gewalt dürfe niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein – völlig egal, gegen wen oder was die Motive dafür seien.

Regierungssprecher Steffen Seibert formulierte via Twitter die Hoffnung, daß die Verantwortlichen schnell gefaßt werden.

Die Bremische Evangelische Kirche hat der AfD unterdessen Panikmache vorgeworfen. Es sei „ein hohes Gut unserer Demokratie, daß wir in Deutschland nach der NS-Zeit zivilisierte Formen der Debatte und der friedlichen Konfliktbewältigung etabliert haben“, sagte der leitende Theologe der Kirche, Renke Brahms, der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. „Daher kritisiere ich auch, wie die AfD den Angriff und die schweren Verletzungen des eigenen Abgeordneten in ihren Stellungnahmen instrumentalisiert und mit Panikmache eine Opferrolle einnehmen will.“ Der Anschlag sei dennoch „feige und abscheulich“. (mec/ag/idea)

 

 

links: Der Bundestagsabgeordnete Frank Magnitz im Krankenhaus nach dem Angriff. rechts: Blutspuren am Tatort in Bremen Foto: picture alliance/Helmut Reuter/dpa / AfD / JF-Montage

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