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Manfred Güllner
Forsa-Chef Manfred Güllner: Wenigstens hat er eine Meinung Foto: picture alliance / dpa

Forsa-Institut
 

Rot und ruppig

Manfred Güllner ist ein Mann der klaren Worte. Daß er seit dreißig Jahren an der Spitze des von ihm gegründeten Forsa-Instituts für Meinungsforschung steht, hindert ihn noch lange nicht, selbst seine Meinung zu sagen. Güllner mag die alte SPD und Gerhard Schröder; die weichgespülten, linksgewendeten neuen Sozis, Peer Steinbrück, die grüne Besserverdienerpartei und die AfD hat er dagegen gefressen.

Daß der Forsa-Chef nicht nur Wahlumfragen macht, sondern bei Gelegenheit auch gerne mal Wahlkampf, bekam zuletzt die AfD zu spüren. Bernd Lucke hatte vor der Bundestagswahl Güllner vorgeworfen, die Rohdaten seiner Umfragen zuungunsten der Alternativen zu manipulieren – vor dem Landgericht Köln aber verloren. Jetzt werde er den AfD-Chef nur noch „Lügen-Lucke“ nennen, hatte der Forsa-Chef daraufhin triumphiert.

Eine Karriere als Genosse

Lucke kann sich da in bester Gesellschaft fühlen. Als seinem Institut aus CDU-Kreisen „Nähe zur SPD“ vorgeworfen worden war, hatte sich Manfred Güllner auch schon erfolgreich per einstweiliger Verfügung gewehrt. Dabei fällt es schwer, eine solche Nähe nicht zu entdecken: Genosse seit vollen fünfzig Jahren, Soziologie-Studium, dank Parteibuch Direktor des Statistischen Amts in Köln, Schröder-Intimus und Kanzlerflüsterer zu rot-grünen Zeiten, schließlich Honorarprofessor an der FU Berlin – Manfred Güllners Karriere ist ohne die SPD nicht zu denken.

Und das in guten wie in schlechten Zeiten: Als sein Forsa-Institut 2005 in finanzielle Schieflage geriet, half ein Schröder-Spezl, der damalige Chef des Energieversorgers EnBW Utz Claassen, mal eben mit einem Millionenauftrag aus der Patsche.

Grüne als Gefahr für die Demokratie

Mit Gerhard Schröder, Kriegskind wie der 1941 in Remscheid als Sohn eines Zangenmachers geborene Güllner, verbindet den Forsa-Chef der alte sozialdemokratische Traum vom Aufstieg aus einfachen Verhältnissen. Die fortschrittsoptimistische Volkspartei von damals will er zurückhaben. Die „Diktatur“ der Grünen dagegen, jener Klientelpartei verwöhnter und privilegierter Bürgerkinder, die ihre Partikularinteressen als Weltrettung tarnen, sieht er als Gefahr für die deutsche Demokratie, mit der er in seinem letzten Buch abrechnete. Mit ihren „Gutmenschenthemen“, so Güllner darin, dominierten die Grünen den Zeitgeist und bestimmten damit weit über ihr reales Gewicht hinaus die politische Agenda.

Mit demselben Furor schlägt er der eigenen Partei ihren Linksrutsch und die Anbiederung an die Grünen um die Ohren und rechnet ihr mitten im Bundestagswahlkampf den eigenen Niedergang und die Fehlbesetzung des Kanzlerkandidaten vor. Und so was wie die AfD gäbe es auch nicht, wenn die SPD noch eine Volkspartei wäre; das müssen ja alles „Rechtspopulisten“ und „Verschwörungstheoretiker“ sein. Manfred Güllner mag mit seinen Standpunkten oft danebenliegen, aber wenigstens hat er welche.

JF 17/14

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