MAGDEBURG/BERLIN. Nach dem Wirbel um das geplatzte Duell mit AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bei „Ben ungeskriptet“ hat Sven Schulze ein Interview mit dem Interviewer Tilo Jung abgesagt. Das Gespräch für den Podcast „Jung & Naiv“ sollte heute live aus Berlin über YouTube ausgestrahlt werden.
Aber gestern verkündete Jung zunächst: „Doch kein Jung & Naiv-Interview morgen mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU). Wir bemühen uns nun um einen Ersatztermin.“ Um 16:30 Uhr aktualisierte er das Post: „Es wird auch keinen Ersatztermin geben.“
Dazu veröffentlichte Jung den Screenshot eines Schreibens der Pressesprecherin des CDU-Landesverbandes Sachsen-Anhalt, dessen Vorsitzender Schulze ebenfalls ist. Diese begründete die Absage mit „einer kurzfristigen Änderung im Terminplan“.
Update: Doch kein @JungNaiv Interview morgen mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU)
Wir bemühen uns nun um einen Ersatztermin.
Update 2 (16:30 Uhr): Es wird auch keinen Ersatztermin geben 🤷🏻♂️ https://t.co/Xjpf5CztvY pic.twitter.com/KnqK6ZspX2
— Tilo Jung (@TiloJung) August 23, 2026
Was steckt hinter Schulzes Absage?
Zuvor hatte die Zusage Schulze in Erklärungsnot gebracht. Denn die Absage des geplanten Duells mit Siegmund in Köln hatte er damit begründet, dass er für Podcasts nicht in ein anderes Bundesland fahren werde. Er müsse nicht nur Wahlkampf machen, sondern als Ministerpräsident auch Sachsen-Anhalt regieren. Jung aber hätte er im Studio in Berlin getroffen.
Vermutlich kommt noch eine zweite Sache hinzu: Politiker haben bei Jung selten etwas zu gewinnen. Der Journalist führt keine Gefälligkeits-Interviews. Mit nichtssagenden Antworten gibt er sich nicht zufrieden. Er ist bekannt für sein hartnäckiges Nachbohren.

Nach Gesprächen mit dem 40-Jährigen gerieten bereits der damalige ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, die Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow und auch der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak in Erklärungsnot. Dieser hatte auf mehrmaliges Nachfragen Jungs erklärt, Bundeswehrsoldaten sollten desertieren, wenn es einen AfD-Verteidigungsminister gäbe (JF berichtete).
Von Schulze und seiner Pressesprecherin kamen bisher keine weiteren Erklärungen, warum der Ministerpräsident das Interview mit Jung nun komplett abgesagt hat. (fh)





