Anzeige
Anzeige

Baden-Württemberg: Schulen bekommen Notfallplan gegen Zwangsheirat

Baden-Württemberg: Schulen bekommen Notfallplan gegen Zwangsheirat

Baden-Württemberg: Schulen bekommen Notfallplan gegen Zwangsheirat

Zwangsheirat: Auf einer Straße steht ein kleines Mädchen mit Kopftuch, daneben einige vollverschleierte Frauen – Symbolbild für die Zwangsheirat
Zwangsheirat: Auf einer Straße steht ein kleines Mädchen mit Kopftuch, daneben einige vollverschleierte Frauen – Symbolbild für die Zwangsheirat
Ein Mädchen mit Kopftuch neben mehreren verschleierten Frauen (Symbolbild). Foto: picture alliance / NurPhoto | Morteza Nikoubazl
Baden-Württemberg
 

Schulen bekommen Notfallplan gegen Zwangsheirat

Wenn Schülerinnen nach den Sommerferien nicht zurückkehren, sollen Lehrer auch an Zwangsheirat oder ein Festhalten im Ausland denken. Ein Notfallbogen an Schulen erklärt, worauf zu achten ist.
Anzeige

STUTTGART. Baden-Württemberg hat seinen Schulen für mögliche Zwangsverheiratungen junger Mädchen während der Sommerferien (die JF berichtete) einen Notfallbogen an die Hand gegeben. Bleiben Schülerinnen nach den Ferien unangemeldet dem Unterricht fern, sollen Lehrer ausdrücklich auch prüfen, ob sie gegen ihren Willen verheiratet oder im Ausland festgehalten werden.

Das Kultusministerium veröffentlichte die entsprechende Warnung. Der vom Frauenrechtsverein „Terre des Femmes“ entwickelte Notfallbogen enthält konkrete Handlungsempfehlungen für Lehrer und Schulen sowie Kontakte zu spezialisierten Beratungsstellen.

Nach Angaben des Ministeriums soll er ermöglichen, bei einem Verdacht schnell zu reagieren und die Betroffenen zu schützen. Baden-Württembergs Sommerferien dauern noch bis zum 12. September. Hintergrund sind Fälle, in denen Mädchen mit ihren Familien vermeintlich in den Urlaub reisen, anschließend jedoch im Ausland verheiratet werden oder nicht mehr nach Deutschland zurückkehren können.

Die Hilfsorganisation „Solwodi“ warnt ausdrücklich davor, dass die Ferien immer wieder für solche Zwangsverheiratungen genutzt werden. Warnzeichen können demnach Angst vor einer Auslandsreise, kurzfristig angekündigte Reisen ins Herkunftsland, eine zunehmende Kontrolle durch Angehörige oder Hinweise auf eine geplante Verlobung sein.

Aus dem Notfallplan in Baden-Württemberg. Screenshot: JF
Aus dem Notfallplan in Baden-Württemberg. Screenshot: JF

Zwangsheirat: 261 Betroffene innerhalb eines Jahres

„Solwodi“ betreute nach eigenen Angaben allein 2025 bundesweit 261 Frauen und Mädchen, die von einer Zwangsverheiratung bedroht oder bereits betroffen waren. Die Organisation teilte zudem mit, dass teilweise auch in Deutschland aufgewachsene Mädchen ins Ausland gebracht würden, um sie dort zu verheiraten.

Auch Beratungsstellen in Baden-Württemberg berichten von einer hohen Nachfrage. Bei der Stuttgarter Einrichtung „Yasemin“ gingen zuletzt innerhalb eines Jahres rund 600 Hilferufe ein. Dort melden sich neben betroffenen Mädchen und jungen Frauen auch Lehrer, Sozialarbeiter und andere Personen, die einen Verdachtsfall beobachten. Die Beratungsstelle richtet sich an junge Migrantinnen, die unter anderem von Zwangsheirat oder Gewalt im Namen der Familien-Ehre bedroht sind.

Zwangsheirat ist in Deutschland nach Paragraph 237 des Strafgesetzbuchs strafbar. Erfasst wird auch, einen Menschen mit Gewalt, Drohung oder List ins Ausland zu bringen oder ihn dort festzuhalten, um eine Heirat gegen seinen Willen durchzusetzen. (rr)

Ein Mädchen mit Kopftuch neben mehreren verschleierten Frauen (Symbolbild). Foto: picture alliance / NurPhoto | Morteza Nikoubazl
Anzeige
Anzeige

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles