„Die schönsten intellektuellen Bankrotterklärungen prominenter Deutscher“ verheißt ein soeben erschienener Zitatenband. Herausgeber dieser geistigen „Tieffliegereien“ ist der tragischerweise kurz vor Erscheinen des Buchs verstorbene André Lecloux. Seine Auswahl orientiert sich am afrikanischen Sprichwort: „Zu viel Aufmerksamkeit läßt einen Esel denken, er sei ein Löwe.“ Das verführe viele dazu, „die einen Prominentenstatus erklettern konnten, sich zu Themen zu äußern, von denen sie keinen Schimmer haben.“
Das gilt gewiß für Annalena B., die – nobelpreiswürdig – überschüssigen Strom schlicht im Netz speichert, oder den „Umweltexperten“ Trittin, der versprach, die Energiewende koste einen Durchschnittshaushalt im Monat nur eine Kugel Eis. Auch Ex-Wirtschaftsminister Habecks Insolvenz-Definition mahnt zu „Schuster bleib bei deinen Leisten“ – in diesem Fall bei den Kinderbüchern. Doch nicht alle der 132 Statements verraten pure Ignoranz. Zuweilen sind nur Versprecher darunter, die man niedriger hängen sollte. Auch stammen die Zitate nicht durchweg von Ahnungslosen. Vielmehr bestürzt, wie offen und dreist manches hierzulande formuliert werden kann.
Von Merz bis zu Ex-Kanzler Scholz, der in Sachen Corona erklärte, „keine roten Linien“ mehr einzuhalten. Daniel Cohn-Bendit erging sich ungeniert in pädophilen Schwärmereien. Und als Ursula von der Leyen, die zweistellige Milliardengeschäfte per Handy abwickelt, im Märchenerzählerton empfahl, „Vertrauen Sie den Gesundheitsbehörden“, „der Weltgesundheitsorganisation“ und der „journalistischen Sorgfalt in den Qualitätsmedien“, wußte sie fraglos, daß dies vornehmlich ihr half. Spahns Warnung, „Wenn wir jetzt geimpfte Menschen genauso testen wie Ungeimpfte, dann hört diese Pandemie nie auf“, war ebenso richtig wie Baerbocks tumber, unfreiwilliger Klartext: „Wir kämpfen einen Krieg gegen Rußland.“ Lecloux’ Vorgängerband „Treffer. Versenkt“ (2022) enthielt übrigens mit Präsident Junckers unverhülltem Eingeständnis das Geschäftsgeheimnis der EU: „Wenn es ernst wird, müssen wir lügen.“
Zwischen Masochismus, Dummheit und Grausamkeit
Offen und wenig rechtsstaatlich bekannten sich andere zu Zensur und (administrativer) Gewalt: „Wehrhafte Demokratie, das bedeutet: Wir wehren uns gegen gefährliches Reden“ (Ilse Aigner). Joachim Gauck sah unser Politproblem nicht bei den „Eliten“, sondern den „Bevölkerungen“. Die Spiegel-Kolumnistin Margarete Stokowski dekretierte: „Es läßt sich nicht rechtfertigen, rechte Autoren im Regal stehen zu haben.“ Boris Palmer empfahl Beugehaft für Impfgegner. Konsequenterweise fügte die Grünenpolitikerin Bianca Blomenkamp hinzu: „Heute ist so ein Tag, an dem ich jedem freiwillig Ungeimpften gern kommentarlos aufs Maul hauen würde.“
Doch den Schwerpunkt bilden intellektuelle Aussetzer, die teils durch ihnen zugeordnete Fotos polemisch kommentiert werden. Bei einer Neuauflage sollte übrigens im Quellenverzeichnis noch jeweils Beruf oder Funktion dieser Sternchen am Politikerhimmel benannt werden. Von Sarah-Lee Heinrich über Jette Nietzard und Luisa Neubauer („Die Wurzeln der Klimakrise liegen in Macht-Hierarchien von Männern über Frauen, von weißen Menschen über People of Colour, von Männern über die Natur.“) bis Emilia Fester: „Die Viertagewoche muß kommen, wenn wir uns als Gesellschaft geschlechtergerecht weiterentwickeln wollen.“
Ansonsten wittern Sophie Passmann oder Sarah Bosetti, wahnbesessen, überall „Nazis“. Andere frönen dem Nationalmasochismus wie der Bundesprecher der Grünen Jugend Timon Dzienus: „Natürlich kennen die Grünen Vaterlandsliebe. Wir kennen und verachten sie.“ Bereits Joschka Fischer riet einst, „deutsche Helden“, „tollwütigen Hunden gleich, einfach totzuschlagen“. Kurios also seine neueste Volte, die Wehrpflicht selbst für Frauen vorzuschreiben. Sibel Schick hält „Rassismus gegen Deutsche“ für „richtig und wichtig“, Deniz Yücel den baldigen „Abgang der Deutschen“ für „Völkersterben von seiner schönsten Seite“. Renate Schmidt, einst Familienministerin, war es „wurscht“, ob die Deutschen aussterben.
„Gewalt ist immer auch ein Hilferuf“
Andere verharmlosen (teils im Kontext des Kölner Grabscher-Festivals) migrantische Übergriffe, von der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker über die taz-Redakteurin Winkelmann bis zu Claudia Roth: „Gewalt ist immer auch ein Hilferuf.“ Zudem klärt Tessa Ganserer über den Irrglauben auf, der Penis sei „per se ein männliches Genital“: „Es gibt halt auch Frauen, die einen Penis haben. Und es gibt Männer, die können ein Kind gebären.“ Eine Frohbotschaft, die demnächst vielleicht unsere demographische Schieflage bessert.
Katrin Göring-Eckardt gendert selbst im Weltraum: „Beim Klimaschutz geht es um den Planeten, oder die Planetin, grad wie man ihn nennen möchte.“ Strack-Zimmermann liebt Verbalexzesse, wonach der „Killer“ Putin mehr Tote verschuldet habe als beide Weltkriege zusammen. Schließlich verbreitet Anika Landsteiner: „Wir haben erst Gleichberechtigung, wenn unqualifizierte Frauen in Machtpositionen kommen.“ Ich kann die Dame beruhigen: Das Kriterium ist, wie wir täglich spüren, längst übererfüllt.
Das Buch mahnt zur Erinnerung
Nützt solche wechselweise irritierende oder amüsierende Zusammenstellung von Ungeheuerlichem und Absurdem oder bietet sie bloße Witzelei in einer Großkrise? Keineswegs. Vielmehr verdeutliche man sich: Das da waren oder sind unsere „Eliten“. Diese Sippschaft bestimmt schon allzu lange unser Sozialklima. Merken wir uns ihre fatalen Albernheiten, selbst wenn die Stimmung allmählich kippt und Szenenkenner im Netz bereits vorauseilende Löschungen von besonders Peinlichem beobachten!
Erinnern wir uns auch künftig an Entgleisungen wie die Nikolaus Blomes, immerhin leitend bei RTL und n-tv tätig, der „ausdrücklich um gesellschaftliche Nachteile“ für alle warb, die sich nicht impfen lassen: „Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen.“ Zitate dieser Güteklasse haben bereits Markus Klöckner und Jens Wernicke in ihrem Corona-Buch von 2022 dokumentiert. Lecloux’ Textsammlung ergänzt diese Negativschau.






