Daimler-Fabrik in Sindelfingen
Daimler-Fabrik in Sindelfingen Foto: picture alliance/Marijan Murat/dpa
Umstellung auf Elektroautos

Daimler rutscht in rote Zahlen: Stellenabbau drastischer als gedacht

STUTTGART. Die Sparmaßnahmen im Daimler-Konzern fallen einem Bericht zufolge deutlich umfangreicher aus als bisher bekannt. Inklusive nicht neu besetzter Stellen könnten weltweit rund 30.000 Arbeitsplätze wegfallen, berichtete das Manager Magazin online unter Berufung auf Unternehmensquellen.

Daimler-Chef Ola Källenius wolle demnach die Gewinnschwelle um zehn bis 15 Prozent herabsenken und entsprechend die Kosten senken. Der Top-Manager lasse auch Werksschließungen durchrechnen. Dem Bericht zufolge wolle Källenius seinen Plan Ende Juli vorstellen. Zuletzt war von einem Stellenabbau in Höhe von 20.000 Arbeitsplätzen die Rede gewesen. Ein Sprecher des Dax-Konzerns wollte sich auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters nicht zu den Spekulationen äußern.

Auch deutsche Standorte betroffen

Dem Magazin zufolge sind auch deutsche Standorte von den Kürzungen betroffen. Infrage stünden demnach die Van-Fertigung im ostdeutschen Ludwigsfelde sowie Komponentenstandorte in Berlin und Hamburg. Allein bei der Nutzfahrzeugtochter Daimler Truck sollen fast 17.000 Mitarbeiter außerhalb der Produktion Abfindungs- und Altersteilzeitangebote erhalten.

Daimler hatte im vergangenen Jahr angekündigt, wegen der Umstellung auf Elektroautos und anderer Investitionen Milliarden einzusparen und Personal auf freiwilliger Basis abzubauen. „Die Entwicklung hin zu CO2-neutraler Mobilität erfordert hohe Investitionen“, hieß es damals. Personalchef Wilfried Porth stellte jedoch die Vereinbarung mit dem Betriebsrat infrage, bis 2029 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Sollte der Betriebsrat Einsparungen verweigern, seien Kündigungen möglich.

1,9 Milliarden Euro Verlust

Unterdessen teilte Daimler am Donnerstag mit, daß das Unternehmen im zweiten Quartal 2020 deutlich in die roten Zahlen gestürzt ist. Mit minus 1,9 Milliarden Euro war der Verlust größer als vor einem Jahr, als der Konzern milliardenschwere Rückstellungen für die Dieselaffäre und Airbag-Rückrufen verbuchte. Auch der Umsatz ging um 29 Prozent auf 30,2 Milliarden Euro zurück.

Infolge der Corona-Krise verkaufte die Stammmarke Mercedes-Benz im zweiten Quartal mit rund 458.000 Autos weltweit mehr als ein Fünftel weniger als ein Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr 2020 rechne Daimler aber mit einem operativen Überschuß, falls es nicht zu einer erneuten größeren Infektionswelle komme.

Anfang des Jahres hatten sich Politiker und Arbeitnehmervertreter aus Franken mit einem Hilferuf an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gewandt. „Gerade das Thema Mobilität und Klimawandel stellen insbesondere die Region Bamberg durch die hohe Dichte an Automobilzulieferern vor große Herausforderungen“, hieß es in dem Schreiben. Mehrere Unternehmen hatten schon vor der Corona-Krise angekündigt, Werke zu schließen, Stellen zu streichen oder Kurzarbeit einzuführen. (ls)

Daimler-Fabrik in Sindelfingen Foto: picture alliance/Marijan Murat/dpa

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

aktuelles

CATCODE: Article_Wirtschaft