Kosmetik ohne Tierversuche

Tierversuche sind kein großes Medienereignis und werden kollektiv verdrängt. Um so bemerkenswerter ist die Neuregelung für die Kosmetikindustrie, die seit März gültig ist. Denn damit wird nicht nur untersagt, Tierversuche am Kosmetikendprodukt durchzuführen. Auch zur Entwicklung und Herstellung kosmetischer Inhaltsstoffe muß darauf verzichtet werden. Besonders positiv zu bewerten ist aus Tierschutzsicht, daß auch aus Drittländern stammende tiergetestete Kosmetika in der EU nicht mehr verkauft werden dürfen. Wie so oft in der Politik wurden aber auch Schlupflöcher geschaffen: Bis 2013 gültige Ausnahmeregelungen wurden für bestimmte Toxizitätskategorien eingeführt. Damit kann sich der Verbraucher auch nach der Neuregelung nicht sicher sein, ob er tierversuchsfreie Kosmetika kauft.

Wer ganz sicher gehen will, kann nur versuchen, sich selbst schlau zu machen, welche Firmen ohnehin auf eine tierversuchsfreie Produktion setzen. Die Tierrechtsorganisation Peta bietet hierfür eine ausführliche Liste im Internet an (www.peta.de/kosmetik). Behaupten muß sich die Neuregelung zudem noch gegen Anfechtungen aus dem Ausland, die Verstöße gegen die Freihandelsregeln der Welthandelsorganisation geltend machen können. Das sind Unwägbarkeiten, die problematisiert werden müssen. Der reine, sich selbst überlassene Markt regelt eben nichts, sondern macht letztendlich fast alles möglich – hier zu Lasten der Tiere. Deshalb ist ein Liberalismus ohne ordnungspolitische Rahmensetzungen schädlich und einer Kultur unwürdig. Mehr Rechtssicherheit wäre nötig, doch internationale Einrichtungen einigen sich meist nur auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Man darf auf die Zukunft der Neuregelung gespannt sein.

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