Kein Pfand für Energiesparlampen

Bis 2012 sollen in der EU alle konventionellen Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt werden (JF 7/09). Pro Haushalt werden Stromkosteneinsparungen von 50 Euro im Jahr versprochen. Ob dieser Wert stimmt, ist nicht unumstritten. Selbst wenn man das gelten läßt, enthält die wegen ihres geringeren Energieverbrauchs angeblich klimafreundliche Sparlampe das giftige Schwermetall Quecksilber (Hg), das eigentlich aus allen Produkten verbannt werden sollte. Elena Lymberidi-Settimo, die seit 2004 die Kampagne „Null Quecksilber“ des Europäischen Umweltbüros in Brüssel leitet, ist dennoch für die Energiesparlampe. Denn bei der Verstromung von Kohle würde ebenfalls Hg in die Umwelt freigesetzt, sagte sie im Deutschlandfunk. Allerdings kontaminiert das Hg-Gift, etwa bei gesplitterten Sparlampen, direkt den Haushalt und nicht irgendwo die Natur.

Und wohin mit den defekten Lampen nach ihrem Gebrauch? Häufig in den Hausmüll. Sie sind Elektroschrott, aber fast alle Super- und Elektromärkte verweigern die Rücknahme. Ein Pfandsystem, das den Schlendrian verhindern könnte, gibt es nicht. Deutlich wird damit erneut nur, daß wieder einmal ein Umweltbereich – hier die Klimaschonung durch Energieeinsparung – gegen einen anderen, nämlich die toxischen Gefahren, ausgespielt wird. Das war beim Müll nicht anders: Die überquellenden Deponien wurden zum Problem, also wurden Müllverbrennungsanlagen gebaut und damit der Abfall in der Luft „entsorgt“. Einmal mehr wird gehandelt, ehe ein schlüssiges Konzept vorliegt. Das paßt zum Zeitalter der Flickwerke, aber nicht zum Leitbegriff der Zukunftsfähigkeit, der um so öfter in Anspruch genommen zu werden scheint, je mehr Zukunft verspielt wird.

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