Die Opfer der Krisen-Zinspolitik

Sind die Zinsen so niedrig wie jetzt, freut das alle Schuldner und das Geldborgen wird erleichtert. Aber was ist mit den Gläubigern? Das sind besonders alle Sparer. Sie geben ihr verdientes Geld nicht voll aus, sondern haben das, was sie gespart haben, in der Regel verliehen, zum Beispiel als Guthaben auf Bankkonten liegen oder Anleihen dafür gekauft. Für diesen Konsumverzicht erwarten sie als Gegenleistung Zinserträge. Zumal für Ruheständler sind Zins­erträge aus dem Gesparten als Zusatzeinnahmen vorgesehen und meist auch notwendig, um im Alter den erarbeiteten und gewohnten Lebensstandard zu sichern. Sparer und Rentner also freuen sich über niedrige Zinsen überhaupt nicht. Sie erhalten nicht nur zu niedrige Ertragszinsen, die kaum die Inflationsrate überschreiten, sondern müssen zusätzlich erdulden, daß – angesichts der Rettungspakete und Ausgabenexzesse – die künftige Inflation den Bestand ihrer Ersparnisse laufend entwertet und damit schleichend aufzehrt.

Inzwischen sind die Leitzinsen überall so stark herabgesetzt, um mit dieser Politik des künstlich verbilligten Geldes die Wirtschaft vor den Folgen der Finanzkrise zu retten. Das ist gut für Investoren und Schuldner, aber schlecht für die Sparer als Gläubiger. Unter zu niedrigen Zinsen leiden Sparer schon seit Jahren. Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich das Leiden verschlimmert. Aber ist das ein öffentliches Thema? Nein. Niemanden scheint das zu interessieren. Auch die Medien nicht, die sich doch sonst so gern als Verbraucherschützer aufschwingen. Merkwürdigerweise aber nicht als Sparerschützer. Die Sparer werden ganz vergessen oder als scheinbar unbeachtlich zumindest übergangen. Die Sparer sind immer die Dummen. Sie werden ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.

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