Die Botschaft des Darwin-Jahres

Mit Weltumsegelungen und Funden von unbekannten Wirbeltieren ging von dem vor 200 Jahren geborenen Charles Darwin die Faszination aus, daß wir alle „Kinder der Evolution“ sind und wir Menschen zu anderen Lebewesen eine verwandtschaftliche Beziehung haben. Faszinierend ist dieser Gedanke noch heute. Die spektakulären Funde sind seltener geworden, einen gab es aber kürzlich wieder. Im Frankenwald fand Gerd Geyer, Geologe am Bayerischen Landesamt für Umwelt, einen 510 Millionen Jahre alten Stachelhäuter. „Die Tiere wirken fremdartig“, sagte Geyer, „weil sie völlig unsymmetrisch sind. Heutige Stachelhäuter wie Seesterne, Seeigel und Seelilien haben dagegen eine fünfstrahlige Symmetrie.“ Das versteinerte Tier ist fast vollständig erhalten und gilt als der älteste Fund seiner Art in Mitteleuropa. Die mit der Untersuchung betrauten Wissenschaftler vermuten, daß das Fossil einen gemeinsamen Vorfahren mit den Wirbeltieren hat – es stünde damit in der Entwicklungslinie des Menschen.

Von daher wäre es kulturlos, unsere nächsten Verwandten, die Tiere, zu „vernutzen“ wie uns fremde Dinge. Eine Erneuerung der Kultur hielt daher schon Albert Schweitzer für unerläßlich, ebenso Ludwig Klages und andere Jugendbewegte. Das ist heute aktueller denn je, weil auch die Macht des Menschen, Leben zu zerstören und ihm Leiden zuzufügen, größer ist als zu Darwins Zeiten. Von daher schreibt der britische Verhaltensforscher Desmond Morris im „Vertrag mit den Tieren“ treffend, für das gemeinsame Überleben von Menschen und Tieren sei die Respektierung der notwendigen Naturbedingungen unerläßlich. Damit ist zugleich ausgesprochen, was die Botschaft des Darwin-Jahres für die Kultur der Gegenwart sein müßte.

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