Abenteuerurlaub im Weltall

Die Summen der Hilfspakete wegen der Finanzkrise nehmen astronomische Ausmaße an, alle Relationen schwinden. Astronaut Ulf Merbold, der es gewohnt ist, im Großen zu denken, geht es nicht anders, wenn er kürzlich schwärmte, eine bemannte Mars-Mission werde „nur“ 100 Milliarden Euro kosten. Das sei gerade einmal ein Siebtel des Hilfspakets für die US-Wirtschaft. Und was gibt es dafür? Bilder vom Mann auf dem Mars und Bruchstücke interstellarer Umwelt fürs Museum. Aber als erstes gilt es für Europäer, den Mond zu erobern. Einer von vier Astronauten, die das Europäische Raumfahrtzentrum derzeit einstellen wolle, werde auf den Fußstapfen von Neil Armstrong wandeln können, so Merbold. Von Geld ist nicht die Rede, wo doch schon ein Mars-Flug erschwinglich erscheint und das Geld aus dem Nichts geschöpft wurde. Was sind das nur für Verlockungen, den Weltraum zu erobern? Alles Versuche, dem Wirrwarr auf Erden zu entrinnen? Der Blick vom All ist vielversprechend, Grenzen verschwinden, wo doch sonst soviel um sie gestritten wird. Ein Reich Utopia entsteht, und die Fernsehzuschauer können daran Anteil nehmen. Wie zu Kolonialzeiten werden neue Welten erschlossen, auch wenn es dort nichts zu holen gibt. Das ist allemal interessanter als die alltäglichen Hungerbilder aus Afrika oder verdreckte Flüsse in China. Mit den Milliarden, die das Herumhüpfen auf Mond und Mars verschlingen wird, könnte auf Erden viel medizinische und umwelttechnische Hilfe geleistet werden. So bleibt der Eindruck, die Feuerwehr will auf Abenteuerurlaub gehen, während es auf der Erde an allen Ecken und Enden brennt. Aber man weiß vielleicht auch nicht, wo man eigentlich mit dem Löschen anfangen und aufhören soll.

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