Unlauterer Wettbewerb

Die Begeisterung der Liberalen für die Globalisierung ist kaum noch zu bremsen. Wer die „Wohlstand“ schaffende Globalisierung in Frage stellt, wird des Protektionismus geziehen. Dabei gibt es keinen Zweifel: Ungeheueren Wohlstand schafft die Globalisierung für die Schichten in Indien und China, die alle moralischen Grundlagen der westlichen Gesellschaft außer Kraft setzen. Allein der Erfolg auf dem globalen Markt ist der Maßstab. Geistiges Eigentum wird geraubt. Der Abfluß des Wissens aus Europa läßt sich in Milliarden messen. Kinderarbeit ist Teil des Erfolges der Industrialisierung in China, Indien und Vietnam. Umweltzerstörung bildet eine der Voraussetzungen, um das Wachstum explosionsartig zu gestalten. Die Chinesen räumen ein, daß rund 90 Prozent ihres hohen Wirtschaftswachstums auf Umweltausbeutung beruhen. Die Globalisierungsfreunde sollten nach Indien, China und Vietnam geschickt werden, um am Beispiel zu lernen, wie in Europa die Arbeitnehmer wettbewerbsfähig gemacht werden können: den Urlaub streichen, die Löhne aufs Existenzminimum absenken, das Leben auf der Straße als Bereicherung zu erfahren, eine tägliche Arbeitszeit von zehn Stunden zu begrüßen, da Freizeit nur Geld kostet, die soziale Absicherung streichen, damit jeder selber seines Glückes Schmied sein kann, die Gesundheitsversorgung so abzubauen, daß der Darwinismus endlich für die optimale Auslese sorgt. Der Liberalismus ohne Ordnungsrahmen läßt die Marktwirtschaft zum die Gesellschaft zerstörenden Moloch werden. Die Welthandelsorganisation WTO ist nicht in der Lage, einen Ordnungsrahmen für die Globalisierung zu schaffen. Solange das nicht gelingt, wird Europa nicht vor unlauterem Wettbewerb geschützt. Dann gnade uns Gott.

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