Geschlossener offener Immobilienfonds

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, erfährt momentan eine juristische Doppelbelastung. Neben der Revisionsverhandlung im Mannesmann-Prozeß vor dem Bundesgerichtshof muß er sich der kritischen Frage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) stellen, warum die Deutsche-Bank-Tochterfirma DB Real Estate ihren offenen Immobilienfonds Grundbesitz-Invest für den Handel geschlossen hat. Unstrittig ist dies ein bisher unbekannter Vorgang in der Branche; spekuliert wird über eine zur Zeit vorgenommene Wertanalyse der 130 Immobilien des Fonds, die wahrscheinlich eine starke Berichtigung der bislang vorliegenden Bewertung nach unten notwendig macht.

Normalerweise unterliegen Fondsanteile wie auch Aktien einem ständigen Wandel in ihrer Bewertung. Je nach Einschätzung der Fondshalter wird daher gekauft, verkauft oder gehalten. Kursschwankungen gehören zum Alltagsgeschäft. Die Deutsche Bank aber plant, zumindest einige Fonds-Immobilien zu verkaufen – daher auch die aktuelle Wertanalyse -, und befürchtet, ihre Fonds-Kunden könnten massenhaft Anteile abstoßen. Eine solche Krise läßt sich jedoch auch ohne Verkaufsverbot bewältigen, wie die Deka-Bank vor einem Jahr in ähnlicher Situation bewiesen hat. Das Verhalten der Deutschen Bank, das sich negativ auf die gesamte Immobilienfonds-Branche auswirkt, zeugt dagegen von Dschungelmentalität: Hauptsache, ich habe meinen Profit gerettet. Das hat nichts mit Marktwirtschaft und Kapitalismus zu tun, sondern den Ruch der Wirtschaftskriminalität. Die Schadensersatzklagen der Fondsbesitzer werden daher nicht lange auf sich warten lassen. Das Vertrauen bleibt jedoch verloren.

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