Gemächlich vom hohen Roß

Nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirt-schaft (IW) in Köln sind die deutschen Lohnstückkosten im Jahr 2004 zwar gesunken, der Anteil der Lohnkosten an der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung ist in Deutschland aber immer noch höher als in allen anderen Ländern, Dänemark ausgenommen. In Frankreich liegen die Lohnstückkosten um zwölf Prozent niedriger, in den USA um 18 Prozent und in Japan und Kanada sogar um 27 Prozent. Trotz teilweise sogar gesunkener Bruttolöhne sind deutsche Beschäftigte international verglichen einfach zu teuer. Der Produktivitätsfortschritt ist zu gering, um das zu hohe Lohnniveau auszugleichen. Deutschland belegt beim internationalen Produktivitätsvergleich der 14 bedeutendsten Industrienationen nur noch Rang sieben. Das Ergebnis: Die Lohnstückkosten sind zwar gesunken, aber absolut immer noch zu hoch. Kein Wunder, daß so kein Rückgang bei den Arbeitslosenzahlen zu erzielen ist. Trübe ist auch die Perspektive. Das Gros der Arbeitslosen ist schlecht ausgebildet. Die diversen Lohnschutzgesetze (Mindestlohn, Kündigungsschutz, usw.) verhindern eine Einstellung mit niedrigen Lohnvereinbarungen. Weitere Beschäftigte mit niedriger Produktivität durch staatliche Zusatzleistungen zu überhöhten Löhnen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, führt zu einer weiteren Verschlechterung der Lohnstückkosten. Die aber sind im internationalen Wettbewerb standort- und beschäftigungsentscheidend. Kurz, um in Deutschland Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt zu erzielen, sind erstens besser ausgebildete und damit produktivere Erwerbswillige (Beschäftigte wie Arbeitssuchende) und zweitens eine konsequente Senkung der Lohnkosten unabdingbar.

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