Esso unterliegt Greenpeace vor Gericht

Esso ist für Greenpeace immer wieder Zielscheibe von Umweltkampagnen. Denn der US-Konzern bekämpfe das Kyoto-Protokoll, verweigere Schadensersatz für die Haverie der Exxon Valdez im Jahre 1989, ignoriere mit seinen Ölgeschäften teilweise Menschenrechte und investiere weniger als andere Ölkonzernen in Alternativenergien. Daher schreibt Greenpeace bei seinen Kampagnen den europäischen Markennamen von Exxon-Mobil mit Dollarzeichen: „E$$O“. Deshalb zog der Konzern in Frankreich vor Gericht. Die Esso-Anwälte wollten die Richter davon überzeugen, daß die Dollarzeichen im Firmenlogo an die SS-Runen der Nazizeit erinnern. Was aber sieht eher wie SS aus, ein SS oder ein $$ im Firmenlogo? Wohl ersteres. Also müßte Esso doch dankbar für die Kreativität von Greenpeace sein, weil man jetzt nur noch assoziativ für Profit stehen kann und nicht mehr für die Schutzstaffel. Überhaupt, wer hätte den Firmennamen Esso ohne den hauseigenen Hinweis so gelesen, daß man darin Nazirunen erblicken kann? Will Esso nicht mißverstanden werden, müßte das Logo einer Rechtschreibreform unterzogen werden, so daß aus Esso „Eßo“ wird. Nur, was ist dann mit der Rechtschreibreform in Deutschland, wo man das „ß“ teilweise durch „ss“ ersetzt hat? Sollten Sprachwächter nicht gegen das Doppel-S klagen, weil damit unnötig oft an die SS erinnert werde? Oder sollte man immer ein Doppel-S zumindest im Falle einer Großschreibung durch ein $$ ersetzen, weil Profit noch immer besser ist als die SS? Dank Esso erhält die Diskussion zur Rechtschreibreform in Deutschland völlig neue Impulse. Wehret den Anfängen, sonst laufen bald Skinheads mit Esso-T-Shirts herum!

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