Joachim Kuhs

 

Mensch ärger Dich wirklich nicht?

Die deutsche Spielwarenfirma Ravensburger hat auf der diesjährigen Spielwarenmesse in Nürnberg den Innovationspreis erhalten. Das prämierte Produkt – ein Puzzle-Würfel – wird allerdings nicht in Deutschland gefertigt, sondern in China. Auch andere alteingesessene europäische Spielwarenunternehmen wie etwa die schwedische Firma Brio können nur überleben, weil sie im Niedriglohnland China produzieren lassen. China fertigt mittlerweile 75 Prozent des Weltbedarfs an Spielzeugen. Die kostengünstigere Produktion ist aber nicht alles. Innovationspreisträger Ravensburger ist auch nicht der Erfinder des zweidimensionalen Puzzles, sondern lediglich europäischer Lizenznehmer. Erfunden haben es die Chinesen. Es war einmal, vor langer Zeit, da galt Deutschland als das Spielzeugland der Welt. Der Teddybär der Firma Steiff hat seit hundert Jahren seinen „Knopf im Ohr“. Zapf-Puppen lassen sich seit 1932 von den kleinen Mädchen bemuttern. Die ab 1974 für ihre Playmobil-Figuren bekannte Firma Geobra Brandstätter aus Zirndorf produziert seit 1921 Spielwaren – vor dem Umstieg auf Plastik aus Blech und Metall. Der weltweit gute Ruf der deutschen Spielwarenindustrie gründete auf dem pädagogischen Wert der Produkte und auf dem Geschick, das Herz der Kinder zu treffen. Beides ist im Laufe der Zeit einem Wandel unterlegen, dem die deutschen Spielwarenproduzenten bislang noch halbwegs folgen konnten. Doch die Vorreiterrolle bröckelt. Daß Produktionsteile aus Kostengründen ins Ausland verlagert werden, ist unter den gegebenen wirtschaftspolitischen Fehlentwicklungen in Deutschland verständlich. Wenn aber schon Innovationen aus angeblichen Schwellenländern wie China kommen, wird es ärgerlich.

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