Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Über die Arbeitszeit zur Lohnsenkung

Seit Mitte der siebziger Jahre fordern die Gewerkschaften vehement eine Arbeitszeitverkürzung, um die Unternehmen nach schlichter Dreisatzrechnung zu zwingen, weitere Beschäftigte einzustellen. Die Deutsche Telekom kündigt jetzt tatsächlich eine Arbeitszeitverkürzung um zehn Prozent an. Aber nicht nach gewerkschaftlichen Vorstellungen mit vollem Lohnausgleich, die Telekom kürzt Arbeitszeit und Löhne gleichermaßen. Noch mehr dürfte die Gewerkschaftsbosse verwundern, daß mit dieser Maßnahme keine zusätzlichen Arbeitsplätze entstehen, sondern die Telekom damit Entlassungen vermeiden will. Ziel ist allein der Abbau von Personalkosten. Gleichzeitig wächst die Zahl der Betriebe, die mit Zustimmung ihrer Beschäftigten die Wochenarbeitszeit ausweiten. Prominentes Beispiel ist die Deutsche Post AG, die eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden anstrebt, und das sogar mit entsprechender Mehrentlohnung. Die Post kündigt allerdings ebenfalls an, sonst entlassen zu müssen. Die Lösung des Verwirrspiels liegt in der effektiven Lohnsenkung. Die Post spart auf diese Weise sonst fällige Überstundenzuschläge und senkt damit ebenfalls die Personalkosten. Unterm Strich erhalten alle Beteiligten einen geringeren Monatslohn. Das volkswirtschaftlich Fatale daran: Die Lohnsenkung reicht gerade aus, um den Beschäftigungsstand zu halten. Dringend benötigte neue Arbeitsplätze werden damit nicht geschaffen. Dazu müßte der Lohn noch tiefer sinken. Allerdings ist der Einstieg in die reale Lohnsenkung nun faktisch vollzogen. Die ebenfalls sinkenden Zahlungen an die Arbeitslosen erhöhen zusätzlich den Druck auf den Arbeitsmarkt und die Neigung zu noch niedrigeren Löhnen.

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