Postmoderne Kundenbeziehungen

Die Deutsche Post hat einen Teil ihrer Briefkästen demon-tiert. Bundesweit sollen künftig nur noch 108.000, statt vormals 135.000 Briefkästen zur Verfügung stehen. Diese und andere obskure Postaktionen sind nachvollziehbar – schließlich stand das Unternehmen jahrhundertelang unter Staatsregie. Die bloße Ankündigung, jetzt ist die Post ein privatwirtschaftliches Unternehmen, reicht da nicht aus. Es fehlt die Veränderung in den Köpfen, besonderes in denen der „Unternehmensleitung“. Da die alten Köpfe nicht ausgetauscht werden, wird nun schlicht von ökonomischen Dilettanten ein bißchen Marktwirtschaft veranstaltet. Als erstes fällt so das Stichwort „Kostenersparnis“. Zunächst weg mit den Postämtern. Statt dessen dürfen Bäcker und Metzger, die häufig in ihrem eigenen Bereich kaum effizient arbeiten, nun wie in Kindergartentagen Post spielen. Briefkästen (nach dem alten System) zu leeren, ist personalintensiv, also teuer. Wenn die Kästen weggenommen werden, spart man – oder auch nicht, denn ein Hauptteil der Kosten ist fixiert und von der Anzahl der Briefkästen unabhängig. Den Unmut der Kunden gilt es dann mit Werbemaßnahmen zu besänftigen. Ob die Brüder Gottschalk und die Formel 1 allerdings billiger sind als die Kostenersparnis durch weniger Briefkästen, darf bezweifelt werden. Die Behauptung, die Post hat keinen blassen Schimmer von modernem Marketing, ist vollauf berechtigt. Feste Kundenbeziehungen entstehen vor Ort, nicht im Fernsehen. Nicht weniger, sondern mehr Briefkästen wären daher angebracht. Wenn schon Kosten sparen, dann durch effiziente Leerungstechnik. So aber bleibt es erste Pflicht des devoten Untertanen, auch den weitesten Weg nicht zu scheuen, um die herrschaftliche Gnade der Briefeinwurfserlaubnis zu empfangen.

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