Joachim Kuhs

 

Hundert Jahre Kosmos

Alexander von Humboldt gilt als letzter universaler Geist, der noch das gesamte Gebiet der Naturwissenschaften zu erfassen vermochte. "Heutzutage sehen sich auch die scharfsinnigsten und ausdauerndsten Forscher genötigt, sich auf gewisse Zweige zu beschränken. Um bei dieser Spezialisierung das Ganze nicht aus den Augen zu verlieren, soll unser Kosmos ein Führer sein für die Gebildeten durch die so reiche naturwissenschaftliche Literatur ", schrieb die Zeitschrift Kosmos vor hundert Jahren im Leitartikel ihrer Erstausgabe. Bildende Lektüre im Sinne Humboldts anzubieten, das war die Leitidee der Zeitschriftengründer im Jahre 1903.

Es spricht für die Zeitschrift Kosmos beziehungsweise Natur und Kosmos, wie sie nach einer Zeitschriftenfusion in den neunziger Jahren heißt, daß sie diese Leitidee auf die Titelseite ihrer Jubiläumsausgabe gesetzt hat. Denn die ökologische Gesamtschau ist dringlicher als je zuvor. Noch nie war eine Gesellschaft so sehr von Spezialisierung gekennzeichnet unsere. Da gerät das Ganze sehr leicht aus dem Blickfeld und damit auch die Folgen des arbeitsteiligen Handelns. Die Zeitschrift vermag ihren Lesern die Natur nahezubringen, sei es im Rückblick auf Rachel Carson und Bernhard Grzimek oder aber im Ausblick auf die Naturlandschaften in den neuen Bundesländern. Die Politisierung des Naturschutzes setzte in den siebziger Jahren unter der Bezeichnung Umweltschutz ein und war zunächst das Anliegen der Konkurrenzzeitschrift Natur. Daraus erhalten geblieben ist in Natur und Kosmos der "Hammer des Monats", den in der Jubiläumsausgabe CDU-Ministerpräsident Erwin Teufel erhält, weil er viel Wind gegen die Windkraft macht. Doch das wäre ein eigenes Thema wert.

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