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Ein weltweiter Kriegsgrund der Zukunft

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2003 zum „Jahr des Süßwassers“ erklärt. Damit wollen sie auf die sich dramatisch verschärfende Situation bei der Versorgung mit dem vielleicht kostbarsten Gut der Menschheit hinweisen. Der Mensch kann wochenlang nichts essen, ohne zu sterben. Bekommt er drei Tage lang kein Wasser, ist er tot. Vor diesem Hintergrund scheint es naiv zu sein, wenn die in jedem bundesdeutschen Haushalt stehenden Tiefkühltruhen prallgefüllt sind mit allerlei Gerichten, ein Wasservorrat aber die Ausnahme sein dürfte. Wozu auch, im Vergleich zu anderen Zonen der Erde ist Deutschland ein wasserreiches Land, die zahlreichen Grundwasservorräte scheinen schier unermeßlich zu sein. Aber Wasser ist nicht nur zum Trinken da, es ist auch ein maßgeblicher Produktionsfaktor für die Industrie. Wahrscheinlich gehört Wasser in dem rohstoffarmen Deutschland zu dem wichtigsten Bodenschatz, den man noch dazu nicht endgültig ausbeuten kann: Jahr für Jahr erneuern sich in der Bundesrepublik etwa 178 Milliarden Kubikmeter Wasser – eine unvorstellbare Zahl. Allerdings mischt sich der Mensch massiv in diesen Kreislauf ein, denn fast ein Drittel des Stoffs wird abgezweigt: Mehr als 42 Milliarden Kubikmeter Wasser jährlich verbraucht allein die Industrie. Dagegen scheinen die 6,5 Milliarden Kubikmeter, die zur Versorgung mit Trinkwasser gebraucht werden, ein eher bescheidenes Ausmaß zu haben. Das Problem ist allerdings nicht der steigende „Verbrauch“ von Wasser, sondern die zahlreichen Veränderungen, die durch die Nutzung mit dem Wasser geschehen: Es wird mit vielen Krankheitserregern verschmutzt, mit Abwärme erhitzt, durch Chemikalien belastet, mit Pharmarückständen, bzw. mit Hormonen angereichert. Hinzu kommt, daß inzwischen auch die Luft und der Boden mit Schadstoffen angereichert sind, so daß die natürlichen Filtersysteme, durch die das Wasser in ständiger Bewegung ist, immer weniger wirksam sind. Um sauberes Naß zu bekommen, müssen daher immer aufwendigere Kläranlagen gebaut werden, die letztlich der Verbraucher durch stetig steigende Gebühren finanziert. Denn nach der obersten wasserwirtschaftlichen Maxime Deutschlands, der DIN 2000, soll das Trinkwasser appetitlich sein und zum Genuß anregen, es soll farblos, klar, kühl, geruchlos und geschmacklich einwandfrei sein. Für die Wasserwerke eine zunehmend schwierigere Aufgabe, denn an der Gebührenspirale kann man nicht unendlich drehen. Daher gibt es immer häufiger schlechtes Wasser, von dem besonders Menschen in Ballungsgebieten ein Liedchen singen können. Wer in einer Großstadt den Wasserhahn öffnet, bekommt heute oft nicht mehr die in DIN 2000 beschriebene Qualität, sondern eine verdächtig flockige Brühe, die nach Chlor stinkt und auf dem Tee ölige Schlieren sichtbar werden läßt. Und wem nicht egal ist, daß er zum Beispiel mit seinem allmorgendlichen Kaffee auch eine Portion „Anti-Baby-Pille“ trinkt – im Tierversuch führt solches Wasser zu Zwitterbildung bei Embryonen – kauft sich notgedrungen einen eigenen Filter. Daß das deutsche Trinkwasser „völlig unbedenklich“ ist, wie die Verantwortlichen immer wieder beteuern, glauben immer weniger Bürger. Nicht umsonst wächst seit Jahren der Markt für private Wasserfilter. Die Problematik mit dem Wasser ist nicht neu, schon vor Jahren warnten Wissenschaftler vor einer „Wasserkrise“. Das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt am Main forderte schon Mitte der neunziger Jahre angesichts der massenhaften Fehlplanungen in Mitteldeutschland eine Wasserwende. Für ein nachhaltiges Ressourcenmanagement stellte das ISOE vier Grundregeln auf, bei denen vor allem die Regionalisierung der Wasserwirtschaft im Vordergrund stand: – Die Wasservorräte dürfen nicht mehr verschmutzen. Kurz bis mittelfristig muß in der Region ein wirksamer Grundwasserschutz und langfristig die geordnete Sanierung von Altlasten und verschmutzen Grundwasserleitern erfolgen; die Flüsse müssen wieder so sauber werden, daß darin unbedenklich gebadet werden kann. – Der regionale Wasserhaushalt muß durch rationelle Bewirtschaftung entlastet werden, langfristig muß die Industrie aus dem Grundwasser herausgehalten werden. – Umweltschädigende Übernutzung muß durch rationelle Wasserverwendung bei den Endverbrauchern verhindert werden. – Besonders in urban-industriellen Regionen wird Neubildung von Grundwasser durch Kanalisation verhindert. Das Wasser muß daher in der Landschaft „gehalten“ werden, indem man starke Entwässerungsmaßnahmen (zum Beispiel begradigte und vertiefte Bachläufe) rückgängig macht. Diese und ähnliche Forderungen nach einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Wasservorräte verhallten offenbar ungehört. Sicherlich hat sich die Wasserqualität einzelner Flüsse, zum Beispiel der Elbe, erheblich verbessert und auch etliche Bäche wurden wieder aus ihrem Betonbett befreit und renaturiert. Aber im Vergleich zu der weiter zunehmenden Belastung waren diese Maßnahmen nur kosmetische Verbesserungen, sauberes Wasser ist immer weniger vorhanden. So ist es nicht verwunderlich, daß immer mehr Wissenschaftler davon ausgehen, daß die Kriege in der Zukunft nicht um Öl geführt werden, sondern um sauberes Wasser. Denn ohne Benzin kann man steinalt werden – aber ohne Wasser ist nach drei Tagen das Leben gelaufen.

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