Zum Tod von Dominique Venner

Ein Leben zur Verteidigung der abendländischen Identität

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Der französische Essayist und Historiker Dominique Venner: Mit seiner Selbsttötung wollte er ein Zeichen gegen den Fatalismus setzen Foto: Wikimedia/PD-AUTHOR.

Es ist die erste Meldung auf den Netzseiten der großen französischen Zeitungen Le Monde und Le Figaro: die Selbsttötung des französischen Essayisten und Historikers Dominique Venner, der sich gestern nachmittag vor dem Hochaltar der Kirche Notre Dame in Paris erschossen hat. Venner hat damit erreicht, was er erreichen wollte: öffentliche Aufmerksamkeit für sein Anliegen.

Worin dieses Anliegen besteht, wird an einem Abschiedsbrief deutlich. Darin bittet Venner seine Frau und seine Familie um Verzeihung für den Schmerz, den er ihnen bereitet, und erklärt, daß er seinen Entschluß in vollkommener geistiger Klarheit getroffen habe, nicht aus Lebensüberdruß, sondern um ein Zeichen gegen den Fatalismus zu setzen

Schon in seinem letzten Eintrag auf seinem persönlichen Blog hatte Venner die Notwendigkeit neuer Formen des Widerstandes und des Protestes hervorgehoben und sich dabei konkret auf die französische Bewegung gegen die Schwulenehe bezogen. Aber tatsächlich betrachtete er die „Mariage pour tous“ nur als Teil eines großen Verfallsprozesses, an dessen Ende das Verlöschen der abendländischen Identität stehen werde. Deren Verteidigung hatte er sein Leben gewidmet.

Ein Leben voller Brüche

Es war ein Leben, das von Brüchen gekennzeichnet war, aber in bezug auf diese Sache – die Verteidigung des französischen wie des europäischen Vaterlandes, um noch einmal den letzten Brief zu zitieren – ein erstaunliches Maß an Kontinuität aufwies.

Abgesehen von den Kommentatoren, die Venners Fall prompt psychiatrisieren wollten, und abgesehen von denen, die mit Verweis auf seine politische Position im Lager der Rechten den Vorgang abtun möchten, erstaunt die Zurückhaltung. Offenbar gibt es doch so etwas wie einen letzten Respekt vor der Handlung, mit der ein Mann sein Leben hingibt, für eine Sache, an die er glaubt.

Zu betonen ist jedenfalls, daß Venner das „Opfer“ seines Lebensrestes darbringen wollte und als Ort die große Kirche im Herzen von Paris auswählte, die über viel älteren heidnischen Kultplätzen errichtet wurde, um deutlich zu machen, daß er einer uralten Vorstellung anhing, die besagt, daß ohne vergossenes Blut nichts gegründet werden kann.

Es ist insofern nur ein Teil der Wahrheit, wenn manche auf Venners Bewunderung für Männer hinweisen, die ihrem Leben aus eigenem Entschluß ein Ende setzten: Pierre Drieu la Rochelle, Henry de Montherlant, Yukio Mishima. Denn man scheut sich, ihn ohne weiteres in diese Reihe einzuordnen.

Notwendigkeit des „starken Bildes“

Offenbar hat Venner nicht gehandelt in Reaktion auf den Zusammenbruch seiner ideologischen Hoffnungen, nicht aus einem Widerwillen gegen die Miserabilität des Daseins und auch nicht um der schönen Geste willen. Das Wort „Geste“ kommt zwar bei ihm vor, aber doch im Sinn der – großen – Tat, die am Anfang alles Neuen steht.

In einem Buch, das er vor Jahren über den französischen Widerstand während des Zweiten Weltkriegs geschrieben hat, sprach er über die Notwendigkeit des „starken Bildes, das bleiben wird“. Es entstehe nur durch jene Akte, die Zugang eröffnen zu den „tiefen und geheimnisvollen Kräften, die das Überdauern der Völker sichern“.

Auch bei den résistants, die gegen die deutschen Besatzer kämpften, habe es sich nur um eine extreme und isolierte Minderheit gehandelt, aber gleichzeitig „um ein Auftauchen des Elementaren, eine Reaktion befreiender Gewalt gegen die brutale Vormundschaft der triumphierenden Fremden, eine Konzentration der nationalen Energien. Eine reine Revolte gegen ein übermächtiges Schicksal.“

> JF-Interview mit Dominique Venner (März 2010)

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