Wir sind nicht käuflich

Die Wirtschaftskrise hat manchmal auch ihr Gutes. Durch die Turbulenzen auf den Finanzmärkten geriet eine jener unsympathischen, auf irrsinnige Renditen abzielenden Beteiligungsfirmen ins Trudeln, die als „Heuschrecken“ unseren Sprachschatz bereichern. Diesen Montag kündigte die britische Mecom-Gruppe den Verkauf ihrer deutschen Medienbeteiligungen an. Mecom-Chef David Montgomery hatte in den letzten Jahren in ganz Europa an die 300 Medien-Titel erworben, in Deutschland die Berliner Zeitung und die Hamburger Morgenpost. Der als „knallharter Sanierer“ gefürchtete Investor quetschte insbesondere die Berliner Zeitung brutal aus, so daß von der lange Zeit journalistisch bestens gemachten Hauptstadtzeitung nur noch ein provinzieller, ausgeweideter Trümmerhaufen übrigzubleiben drohte. Der Einbruch des Werbemarktes und sinkende Auflagen stoppten jetzt den Höhenflug der Mecom. Nun übernimmt der Großverlag DuMont Schauberg die Blätter und verstärkt damit seine Rolle auf dem deutschen Zeitungsmarkt. Mit den in seinem Besitz befindlichen Zeitungen (u. a. Frankfurter Rundschau, Kölner Stadtanzeiger) steht er weniger für irrsinnige Renditen als für ein SPD-freundliches politisches Profil. Es steht zu befürchten, daß DuMont nicht für eine Stärkung der Meinungsvielfalt sorgen wird. Schon Ende letzten Jahres traf die Finanzkrise weltweit die Zeitungsverlage, deren Anzeigenmarkt wie nach der Dotcom-Krise 2000 einbricht. Jetzt schlägt die Stunde des Kahlschlags, der Fusionen, der Verkäufe. In den vergangenen Jahren hatten sich die Konzentrationsprozesse im Pressesektor beschleunigt, jetzt setzt sich das Sterben der traditionellen Zeitungen fort. Hinter scheinbar unterschiedlichen Zeitungsköpfen verbergen sich immer häufiger die immer gleichen Redaktionen mit ihren austauschbaren Redakteuren und Meinungen. Da sehnt sich der Leser nach erfrischenden Alternativen. Am 21. Januar jährt sich zum 15. Mal der Wochenzeitungsstart der JUNGEN FREIHEIT. Gerade angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen, die wir derzeit durchschreiten, ist ihr kontinuierlicher Aufstieg so außergewöhnlich. Wie war das möglich? Vor einigen Tagen erhielt ich den Anruf eines Finanzbranchendienstes. Die Dame am Telefon erklärte mir, ich habe eine Firma, die im „Private Equity“-Bereich tätig sei. Sie wollte wissen, wie hoch unsere Beteiligungssumme sei. Ob sie eigentlich wisse, wen sie am Telefon habe, fragte ich erstaunt. Laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sei die JF im „Private Equity“-Bereich tätig, beteuerte sie. Da die JF ihren Lesern außerbörslich die Beteiligung an ihrer Zeitung durch eine Kommanditbeteiligung offeriere, finden wir uns unter diesem Sammelbegriff wieder. Den über 300 Leserinvestoren, die bis heute über zwei Millionen Euro in diese Zeitung gesteckt haben, verdanken wir, daß sie wächst und gedeiht – ohne daß sie Gefahr läuft, über Nacht einem Montgomery oder anderen an Inhalten desinteressierten Rendite-Jägern in die Hände zu fallen. Wir sind nicht käuflich, sondern in der Hand unserer Leser. 

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