„Wir lassen uns nicht vertreiben“

Frau Dr. Kaminski, mit 830 Kreuzen sind Sie unter den anvisierten 1.000 Teilnehmern geblieben. Kaminski: Wir waren rund 1.000 Personen. Neben mir ging etwa ein Mann, der sagte: „Ich nehme kein Kreuz, denn ich bin Atheist. Dennoch marschiere ich für das Leben.“ Menschen mit Behinderung oder Kinder haben keine Kreuze getragen. Leider haben aber einige wegen der angekündigten Störungen darauf verzichtet zu kommen. Man muß das verstehen. Viele kommen mit der ganzen Familie, einige mit kleinen Kindern. Die Störer waren extrem haßerfüllt. Macht Ihnen das Angst? Kaminski: Das war unerfreulich, sicher. Aber wir sind dennoch zufrieden, denn von unserer Seite aus ist alles ruhig geblieben, wir haben uns nicht provozieren lassen. Im übrigen sind wir von der Polizei außerordentlich gut betreut und beschützt worden. Sie mußten von der Route von 2006 abweichen und den unattraktiven Weg hinter dem Alexanderplatz nehmen. Haben Sie sich von der Gegendemo abdrängen lassen? Kaminski: Nein, der Grund war, daß an diesem Tag an zentraler Stelle noch andere Demos stattgefunden haben. Wir hoffen, beim nächsten Mal wieder über die Linden marschieren zu können. Der Gegenprotest hat Ihnen jedoch definitiv mehr Aufmerksamkeit beim Passanten-Publikum verschafft. Kaminski: Das haben wir auch festgestellt, trotzdem würden wir gerne auf die Störungen verzichten. Daß sie für mehr Aufmerksamkeit sorgen, ist aber eine gewisse Entschädigung. „Föten zu Pflugscharen“, riefen die Gegendemonstranten. Ein Führungsmitglied von Pro Familia hielt dort eine Ansprache. Ein Skandal? Kaminski: Jeder muß wissen, was er schreit. Der Skandal sind Hunderttausende Kinder, die vorgeburtlich getötet werden — auch, weil ihre Mütter falsch beraten wurden. Ab 2009 soll der Marsch nun jährlich stattfinden. Kaminski: Ja, und wir setzen darauf, daß dann auch die Teilnehmerzahl steigt, wenn der Termin erstmal zur jährlichen Regelmäßigkeit wird.   Dr. Claudia Kaminski, 42, ist Organisatorin des 1.000-Kreuze-Marschs und Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht (BVL).

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