Joachim Kuhs

 

Schwarzes Brett

Seit neuestem hängt im Redaktionsflur ein Schwarzes Brett. Das Brett ist nicht wirklich schwarz, sondern ein weißes Magnetbrett, und es hängt an einer strategisch günstigen Position: An dieser Stelle laufen die Mitarbeiter am häufigsten vorbei. Sie sollen ja schließlich zur Kenntnis nehmen, was dort bekanntgegeben wird. Nur bislang hängt am Brett nichts. Die zwei Dutzend losen, einsamen Magnete ohne Funktion schrieen also regelrecht nach Beschäftigung. Das klingt langweilig für Sie? Sie wären überrascht, wie unterhaltsam solche kleinen Magnete für zehn erwachsene Redakteure sein können! Ganz unauffällig und anonym findet nämlich am besagten Brett seit Wochen ein heimlicher Wettbewerb statt: Wer kann die schönsten Figuren mit Hilfe der 24 silberfarbenen Magneten gestalten? Bislang wurden Strichmännchen, lächelnde und traurige Gesichter (je nach Gemüt des Künstlers), Herzen, Blumen und weniger blumige Motive wie ein Galgen und ein Strick kreiert. Aber was wäre eine national gesinnte konservative Zeitung, die Deutschland als Aufgabe und Gegenstand aller ihrer Mühe betrachtet, wenn sie – im Eifer der Kreativität – Deutschland vergäße? So ist es beruhigend zu sehen, daß hier die Liebe zum Vaterland so tief sitzt, daß eines Tages sogar am Schwarzen Brett ein perfekt gezeichneter Umriß von Deutschland zu finden war. Anni Mursula

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