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Politische Bilderstürmerei

Tradition war in der Bundeswehr schon immer ein Politikum. Bereits im Amt Blank standen sich die Auffassungen der „Reformer“ um den Grafen Baudissin und der „Traditionalisten“ konträr gegenüber. Dabei stand die Kernfrage im Raum: Durfte an die Tradition der einstigen Wehrmacht angeknüpft werden. Wieviel Tradition war überhaupt erwünscht und wurde benötigt? Die Bundeswehr mußte schnell zu einer schlagkräftigen Armee aufgebaut werden und benötigte erfahrene Militärs. Etwa 40.000 einstige Wehrmachtssoldaten bildeten das Führer- und Unterführerkorps. Die Bundeswehrführung war sich sehr wohl bewußt, daß eine Armee ohne Tradition nichts wert ist. Dabei war klar, daß Tradition nicht Geschichte ist, sondern eine Auswahl aus der Geschichte bedeutet. Was blieb, war das schwierige Problem der Auswahl, aber keineswegs ein Zwang, irgendeine Phase der Vergangenheit total auszuklammern. Linke Rundumschläge gegen die Tradition Die Gestaltung der Uniform war der erste – auch für die Öffentlichkeit wahrnehmbare – Traditionsbruch. Erst kurz vor Aufstellungsbeginn war die Uniformfrage, eher beiläufig, erörtert worden. Nichts sollte an die Wehrmachtsuniform erinnern, aber auch Bezüge zu den Uniformen der einstigen anglo-amerikanischen Besatzungstruppen sollten vermieden werden. Das Ergebnis war peinlich: Die zivil wirkende Ausgehuniform mit Zweireiher glich einer Portierslivree. Die Folge war: die Soldaten wurden von der Bevölkerung verspottet und fühlten sich unwohl in dieser mißratenen Kleidung, die trotz aller gegenteiligen Beteuerungen stark US-amerikanische Akzente besaß. So mußte das äußere Erscheinungsbild der Soldaten schon nach wenigen Monaten deutlich verändert werden. Das Heer erhielt graue Ausgehuniformen, die im Schnitt leicht jenen der Wehrmacht glichen. Die metallenen Waffengattungskragenabzeichen wurden durch verschiedenfarbige Kragenspiegel der herkömmlichen Art – wie sie schon in der Wehrmacht getragen worden waren – ersetzt. Die Luftwaffe, die problemlos an die gleichlautende Bezeichnung des 1935 eingeführten neuen Wehrmachtteils „Luftwaffe“ anknüpfte, orientierte sich gleichfalls in der Uniformierung an ihrer Vorgängerin. Das Fliegerblau wurde etwas dunkler gewählt, der Uniformschnitt blieb weitgehend derselbe. Und die Marine veränderte ihre dunkelblaue Uniform gegenüber jener der Kriegs- und Reichsmarine so gut wie kaum. Viele Kommandeure pflegten das Erbe ihrer alten Reichswehr- und Wehrmachttruppenteile. Dabei floß viel Wertvolles, doch auch Willkürliches in die Bundeswehr. Der erste Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Hans Röttiger, regte an, die Tradition der vor Kriegsausbruch 1939 existierenden 36 Wehrmacht-Heeresdivisionen den 36 Heeresbrigaden der Bundeswehr zuzuordnen. Der Leiter des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA), Oberst Dr. Hans Meier-Welcker, erarbeitete exakte Traditionszuordnungen. Der Führungsstab des Heeres bewertete 1958 die Traditionswürdigkeit der Wehrmacht so: „Es wird grundsätzlich an die Wehrmachttradition angeknüpft; nur über sie, die noch eine menschliche Verwirklichung über die alten Soldaten erlaubt, kann auf frühere Traditionen zurückgegriffen werden, soweit sie von den entsprechenden Wehrmachttruppenteilen früher gepflegt wurden.“ Generalinspekteur Heusinger verfügte jedoch Ende 1958, daß „die Übernahme von Einzeltraditionen ehemaliger Truppenteile der Wehrmacht nach 1933 durch Verbände der Bundeswehr heute nicht in Betracht kommen kann.“ Luftwaffen-Inspekteur Kammhuber war es, der 1961 drei Luftwaffen-Geschwadern die Traditionsnamen „Richthofen“, „Boelcke“ und „Immelmann“ verlieh. Damit wurde an eine aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg stammende Tradition angeknüpft. Die Verleihung von Traditionsnamen machte den Wunsch nach einer positiven, unverkrampften Traditionspflege auch in der Öffentlichkeit sichtbar. Doch gleichzeitig wurden die Traditionspläne des MGFA-Chefs Meier-Welcker in 22 Vorentwürfen und sieben Referentenentwürfen über mehrere Jahre durch Reformer und Anhänger der „Inneren Führung“ bis zur Unkenntlichkeit verformt. Unter Verteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel trat dann 1965 der Traditionserlaß offiziell in Kraft und der „Traditions-Wildwuchs“, wie er bezeichnet wurde, sollte endlich geordnet werden. An diesem Erlaß hatten der Ausschuß „Innere Führung“, der damalige Heeresinspekteur Ulrich de Maizière sowie die damaligen Obristen Heinz Karst und Eberhard Wagemann mitgewirkt. Wagemanns Bekenntnis, die Bundeswehr sei Traditionsträgerin der Wehrmacht, wurde unwidersprochen akzeptiert. Gegen eine linke Medienkampagne setzte Verteidigungsminister Gerhard Schröder 1967 die Namensgebung von drei Raketenzerstörern durch. Die Kriegsschiffe wurden auf die Namen „Lütjens“, „Mölders“ und „Rommel“ getauft. Später erhielt auch das Jagdgeschwader 74 den Traditionsnamen „Mölders“. Es folgten im Laufe der Jahre zahlreiche weitere Namensgebungen für Kasernen ebenso wie für Wettkämpfe. Neben den Soldaten, die ausschließlich aufgrund ihrer soldatischen Leistungen geehrt wurden, nahmen jene Wehrmachtsoldaten einen hohen Stellenwert ein, die im Widerstand gegen das System des Dritten Reiches gekämpft hatten. Die Verschwörer des 20. Juli, denen es auch darum ging, sittliche Werte zu erhalten, wurden allerdings im Laufe der Jahre zunehmend für politische Zwecke vereinnahmt. Während der sozialliberalen Ära von 1969 bis 1982 war einigen SPD-Politikern die soldatische Tradition ein Dorn im Auge. Diese Traditionsgegner verfolgten nun das Ziel, die Bundeswehr von der militärischen Ära vor 1945 völlig zu isolieren. Linke Kräfte forderten bei ihrem Rundumschlag sogar die Abschaffung der als elitär geltenden Generalstabsausbildung sowie des feierlichen Gelöbnisses und des Großen Zapfenstreiches. Erinnerungsstücke wurden aus den Kasernen entfernt Der Kampf um die richtige Tradi-tionspflege mündete im September 1982 in einen neuen Traditionserlaß. Acht Tage vor seinem Abgang von der Hardthöhe präsentierte Verteidigungsminister Hans Apel (SPD) seinen „modifizierten“ Traditionserlaß. Der Unionspolitiker Manfred Wörner erklärte mit seiner Amtsübernahme als Verteidigungsminister im Oktober 1982, dieser Erlaß könne so nicht bestehen bleiben – doch weder in Wörners Amtszeit noch danach wurde etwas geändert. Die mühevoll von kriegsgedienten und den nachwachsenden Bundeswehrsoldaten aufgebauten Traditionen wurden nun zunehmend in Frage gestellt. Traditionen aus der Wehrmachtszeit waren in mehr als dreißig Soldatenjahrgängen unvermeidlich und im besten Sinne des Wortes von Mensch zu Mensch in die Bundeswehr übertragen worden. Viele Soldaten, die nur in der Bundeswehr gedient hatten, sahen in ihren Vorgesetzten und manchen Traditions-Persönlichkeiten ihre Vorbilder. Ende der achtziger Jahre wurde dann der tiefgreifendste und radikalste Traditionsbruch eingeleitet. In der Amtszeit von Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) begann ein politisch initiierter „Bildersturm“. In der Truppe wurden die Traditionsecken systematisch durchforstet. Von jungen Bundeswehrsoldaten gezeichnete Wandbemalungen in Unterkünften, die kämpfende Wehrmachtsoldaten zeigten, Uniformen, Auszeichnungen, Waffen, Fahnen, Fotos und Erinnerungsstücke wurden „politisch korrekt“ aus den Gebäuden entfernt. Kasernen wurden auf Druck linker Kräfte umbenannt. Es begann eine Debatte, ob in der Bundeswehr „die gebotene Distanz zur deutschen Wehrmacht“ eingehalten werde. Hintergrund waren einige als rechtsextremistisch eingestufte Vorfälle einzelner Soldaten. Die Führung setzte daraufhin die Truppe einem Generalverdacht aus und förderte nicht nur die Geschichtslosigkeit weiter, sondern trug auch zu einer Verunsicherung bei, die sogar zu einer latenten Vertrauenskrise gegenüber eben dieser Bundeswehrspitze führte. Aber auch mit den erfahrenen und im Ausland geschätzten Kämpfern in den eigenen Reihen, die inzwischen alle pensioniert waren, tat sich die Bundeswehr zunehmend schwer. Die über dreißig Jahre bestehende Verbundenheit mit den Ritterkreuzträgern wurde seitens der Bundeswehrführung unterbunden. Nicht weniger als 800 Ritterkreuzträger hatten in der Bundeswehr gedient. Später wurde sogar ein Kontaktverbot zur Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger (OdR) wie auch zum Verband deutscher Soldaten (VdS) verhängt. Eine pathologische Angst vor der Geschichte Rühes begonnenes Werk des Traditionsbruches wurde von seinen Amtsnachfolgern Rudolf Scharping, Peter Struck (beide SPD) und Franz Josef Jung (CDU) weiter willig vollstreckt. Die Tilgung der Namen Mölders und anderer ausgezeichneter Luftwaffen-Piloten bildet einen neuerlichen Höhe-, doch vermutlich nicht den Schlußpunkt. Denn immer wieder wurde seitens der Bundeswehrspitze erklärt, die deutschen Streitkräfte hätten während ihrer inzwischen 50jährigen Geschichte eine eigene Tradition entwickelt. Doch wie gering der Anteil der eigenen Bundeswehrgeschichte ist, wird daran deutlich, daß nur wenige Kasernen und Truppenteile darauf Bezug nehmen. Vor allem die ständigen Verbandsumbenennungen und das mangelnde Gespür für Traditionsbewahrung waren kontraproduktiv, Traditionen und ein daraus schöpfendes Zusammengehörigkeitsgefühl wachsen zu lassen. Das systematische Zusammentragen von Erinnerungsstücken, ja selbst von Namen früherer Kommandeure wurde vielerorts völlig versäumt. Im Zuge der massenhaften Auflösung von Truppenteilen, verpackten diese nach Belieben alles, was zu ihrer Geschichte gehören könnte und sandten die Kartons zum Militärarchiv nach Freiburg. Dort stapeln sich nun etwa fünfzig Akten-Kilometer ungesichtete „Geschichte“ der Bundeswehr. Die pathologische Angst vor der Geschichte, insbesondere linker Medien und Politiker hat zu der These verführt, die Bundeswehr bedürfe zu ihrem Traditionsverständnis nicht des Rückgriffs auf eine „vor-demokratische“ Vergangenheit. Hinter dieser These steckt mangelnde Wahrhaftigkeit. Denn daß es den einstigen Wehrmachtsoldaten gelang, die Bundeswehr erfolgreich aufzubauen, wird kaum gewürdigt. Traditionen können erlöschen; aber wenn Traditionen untergehen, dann geht mehr unter als eine historische Überlieferung. Tradition ist ein Stück des staatlichen und sozialen Lebens. Tradition ist ein Zeichen von Selbstbewußtsein, von ungebrochenem Lebensgefühl, von Vitalität. Clemens Range , Journalist und Oberstleutnant der Reserve, ist Autor des Buches „Die geduldete Armee – 50 Jahre Bundeswehr“ (Verlag Translimes Media, Berlin). Stichwort: Kasernenumbenennung „Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, dafür Sorge zu tragen, daß Mitgliedern der Legion Condor in Deutschland nicht weiter ehrendes Gedenken z. B. in Form von Kasernenbenennungen bei der Bundeswehr zuteil wird. Bereits erfolgte Kasernenbenennungen nach Mitgliedern der Legion Condor sind aufzuheben.“ So lautete der die Gunst der Stunde nutzende Änderungsantrag der Gruppe der PDS, der am 24. April 1998 im Bundestag zur Abstimmung stand. Es war ein Freitag. Entsprechend saßen im Parlament nur 25 besonders interessierte Abgeordnete. Es kam, was kommen mußte. Mit den Stimmen der PDS und der Grünen, bei Stimmenthaltung der SPD und gegen die Stimmen der kaum vertretenen Regierungskoalition von CDU/CSU und FDP, wurde der Antrag zur Verwirrung vieler angenommen. Die verunglückte Abstimmung führte letztlich dazu, daß die „Werner-Mölders-Kaserne“ in Visselhövede und das in Neuburg an der Donau stationierte Jagdgeschwader 74 „Mölders“ im Jahr 2005 umbenannt wurden. Foto: Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zu Besuch auf dem Fliegerhorst des Jagdbombergeschwaders „Manfred von Richthofen“: Sonnen im glorreichen Licht der Tradition des „Roten Barons“

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