Die Zersetzung der Familie

Ehepaare ohne Kinder, Alleinstehende, Alleinerziehende und sonstige Haushalte werden sozial bedeutsamer. Traditionelle Familienhaushalte sind heute nicht mehr die dominierende Lebensform in Deutschland. Lediglich ein Drittel der Familien ist noch in der traditionellen Kleinfamilie organisiert. Dennoch haben 80 Prozent der erwachsenen Bevölkerung irgendwann in ihrem Leben in dieser sozialen Form gelebt. Das Modell der Kleinfamilie ist im europäischen Kontext betrachtet sogar noch stärker in Auflösung: nur noch 25 Prozent aller Europäer geben diesem Modell den Vorzug. Abgelöst wird die traditionelle Familie durch eine Vielzahl neuer Lebensformen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts hatte sich die bürgerliche Kleinfamilie noch als erfolgreiche Institution gezeigt: Im Jahre 1950 waren 76 Prozent aller Mütter mit Kindern unter 18 Jahren Vollzeithausfrauen. Seit den siebziger Jahren vollziehen sich massive Veränderungen. Vor allem die Funktion auf der Ebene der Rollen hat sich entscheidend verändert. Familienmitglieder sind heute immer weniger Mitglieder der Familie als Mitglieder der Gesellschaft, das heißt, sie sind zwar von ihrem geographischen Standpunkt aus betrachtet noch mit der Familie verbunden, doch von ihrer inneren Einstellung her gesehen längst von der Gesellschaft her konstruiert. Gesellschaftliche Programme verdrängen zunehmend familiäre Normen. Gibt es Probleme, sorgen Experten dafür, daß die Familie wieder im gesellschaftlichen System sozialisiert wird. Verweigerung zieht Stigmatisierung nach sich. Familie war zwar nie ein isoliertes Gebilde, doch hat die Veränderung hin zu stärkerer gesellschaftlicher Außen-orientierung extrem zugenommen. Die Familie verliert ihre integrierende normgebende Kraft und gibt dieses Potential als frei zu gestaltende Masse ab. Die Normen, die noch in der Familie gegolten haben, lösen sich zugunsten von externen Interessen, etwa wirtschaftlichen, auf. Die intern kontrollierende Fähigkeit der Familie wird dabei an Politik, Polizei, Justiz und andere Behörden abgegeben. Auf diese Weise betreten Programme wie Recht, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, die sich über Macht, Karriere, Geld und Gewalt kommunizieren, den inneren Zirkel der Familie und müssen dort verarbeitet werden. Falls es Probleme bei der Vermittlung gibt, sorgen Experten der Systeme wie Berufspolitiker, Universitätsprofessoren oder Wirtschaftsmanager für die passenden Erklärungen. Die Familienmitglieder werden auf diese Weise durch die Systeme selbst sozialisiert. Doch kann es bei dieser Art von Legitimation Probleme geben. Das liegt daran, daß der Kommunikationskreislauf zunehmend mit Kommunikation aufgebaut wird, die für den Betreffenden oft Angst, Enttäuschung und Verzweiflung bedeutet. Es kommt dann zu Abweichungen, das heißt zu einer bewußten Nichtübernahme von Programmen. Dies wiederum bedeutet Ausgrenzung und eröffnet die Gefahr der Stigmatisierung. Um solche persönlichen Folgen zu vermeiden, wird jedem, vor allem über das Medium des Erziehungssystems „Karriere“, die Möglichkeit geboten, am Aufbau der Systeme mitzuwirken. So gewinnen die Systeme an Legitimation: Man weicht eher von Programmen ab, die andere aufgestellt haben, als von solchen, an deren Aufstellung man selbst beteiligt war. Auf diese Weise verhalten sich die Individuen in großer Zahl systemkonform. Dies ist nötig, weil die Systeme voraussag- und kontrollierbares Verhalten brauchen. Dabei ist es nicht wichtig, daß ein System seine Dominanz durchsetzt, vielmehr geht es um den Gesamtzusammenhang aller Systeme. Erst dies macht das System als Ganzes, die gesamte Gesellschaft glaubhaft. Die Kommunikationen der Systeme bestimmen damit das Verhalten der Menschen. Sie bestimmen die Rollen, die sie jetzt oder später ausführen werden. Bei der Verarbeitung dieser Kommunikationen verändern sich die sozialen Strukturen von Familie oder lösen sich ganz auf. Übrig bleiben dabei nicht die ethisch wertvollsten Formen, sondern die, die am besten an die Forderungen der Umwelt angepaßt sind. Solche Selektionen betreffen auf der Ebene der Familie aber nicht nur soziale, sondern auch psychische Strukturen, also die Bewußtseinszustände der Mitglieder. Diese werden gewissermaßen im Auftrag der Systeme innerhalb der Familie konditioniert. Dabei wird versucht, eine positive Einstellung – zum Geld, zum Eigentum, zum Recht, zur Politik, zur Karriere, zur Technik usw. – zu erzeugen. Bewußtseinsformen, die sich nicht in diese kommunikativen Anforderungen fügen, sind bedroht wie nie zuvor, für sie gibt es kaum noch Spielraum. Hier gilt das Wort, das Nietzsches Zarathustra von den „Fliegen des Marktes“ ausgesprochen hat: „Aber die Stunde drängt sie: so drängen sie dich. Und auch von dir wollen sie Ja oder Nein. Wehe, du willst zwischen Für und Wider deinen Stuhl setzen.“ Doch bietet weder die Macht noch das Geld Gewähr für die moralische Normierung des Handelns: Es fehlt diesen Medien die ethische Reichweite. Aber gerade sie werden in der gesellschaftlichen Evolution nun selbst zu Werten und Normen und wirken in Form von Programmen immer tiefer in die Struktur der Familie hinein. Nur innerhalb dieser „Normen“, so die Botschaft, ist der Wert und der Sinn des Lebens zu finden. Jeder, der „Erfolg“ haben möchte, muß sich daran beteiligen. Besonders die Orientierung am Konsum steht im Vordergrund – über ihn wird die Sinnfindung gesucht. Um konsumieren zu können, muß aber die ständige Steigerung der ökonomischen Situation in den Mittelpunkt des Handelns gestellt werden. In der Folge streben auch Frauen nach Macht und Geld, weil sie erkannt haben, daß sie damit eigene Interessen besser befriedigen und andere zurückweisen können. Diese Erfahrungen werden dann als „Bewußtwerdung“ beschrieben. Da die Frau über die Medien Geld und Macht nun die Möglichkeit hat, ihre ökonomische Lage zu verändern, bricht sie leichter aus der Familie oder der Beziehung und damit aus der Verantwortung aus. In der Folge hat sich die Zahl der Scheidungen seit 1970 in den alten und auch in den neuen Bundesländern verdoppelt. 1989 wurden in den alten Bundesländern von 100 Ehen 32 und in der DDR 38 geschieden. 1997 waren in Deutschland rund 170.000 Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Die Zahl der Kinder, die nur mit einem Elternteil zusammenwohnen, hat zugenommen. 1972 lag ihr Anteil bei 7 Prozent, 1991 bei 11 Prozent, im Jahre 2000 bereits bei 16 Prozent (in den alten Ländern). 1996 waren in Deutschland 1,64 Millionen Alleinerziehende zu verzeichnen, davon 85,5 Prozent Mutterfamilien. 86 Prozent aller minderjährigen Kinder unter 18 Jahren lebten bei Ehepaaren. Das statistische Bundesamt ermittelte für das Jahr 2003, daß der Anteil der Alleinerziehenden in Deutschland 15,4 Prozent beträgt. Davon sind 84 Prozent Mutterfamilien, der Rest Väterfamilien. Die Alleinerzieherschaft kommt überwiegend durch Trennung und Scheidung zustande: zu 59 Prozent bei den alleinerziehenden Vätern, zu 44 Prozent bei den alleinerziehenden Müttern. Diese Prozesse kommen besonders wirtschaftlichen Interessen entgegen: Das System ist an alleinstehenden Individuen interessiert, denn wer alleine konsumiert, der konsumiert in der Regel mehr, als wenn er in einer Beziehung oder Gruppe steht und ist auch für Konsumstrategien besser ansprechbar. Doch je mehr konsumiert wird, desto mehr wird in der Regel die Umwelt belastet. Das gilt auch für die Frau in ihrer neuen Rolle: Sie setzt ihre gewonnene Freiheit in Form von mehr Wohnraum, höherem Energieverbrauch und erhöhter Mobilität mit Auto, Bahn und Flugzeug um. Weil diese Frauen in der Regel auch mehr arbeiten müssen, um sich ihre Wünsche ohne Partner erfüllen zu können, verändert dies die Beziehungsmuster zum Nachwuchs. Die Dyade kann nicht mehr so intensiv sein wie in einer konstanten Zweierbeziehung. Das liegt daran, daß die Frau, wenn sie sich in die Strukturen des Marktes begibt, dort selbst kein Vertrauen erfahren kann, weil die Marktbeziehung die unpersönlichste Lebensbeziehung ist, in die man treten kann. Aber nicht nur Frauen werden in allen Bereichen gleichgestellt, auch die Beziehungen zwischen gleichen Geschlechtern sind zunehmend rechtlich und gesellschaftlich legitimiert. In einigen europäischen Ländern können sich gleichgeschlechtliche Paare in ein Partnerschaftsregister eintragen lassen. Das erste Land, das diese Möglichkeit eingeführt hat, war im Jahre 1989 Dänemark. Daraus lassen sich eheähnliche Ansprüche ableiten wie Unterhalt, Solidarität im Trennungsfall und ein ehegleiches Erbrecht. In Deutschland gibt es diese Möglichkeit für homosexuelle Paare seit dem 16. Februar 2001. Ziehen diese Paare Kinder auf, steigt die Wahrscheinlichkeit, daß der Nachwuchs in Situationen gerät, die später als Auslöser für Neurosen jeder Art verantwortlich gemacht werden können. Das liegt daran, daß Kinder bei ihrer Entwicklung Identifizierungsprozessen unterworfen sind. So identifiziert sich der Junge in der ödipalen Phase, also in der Zeitspanne, in der die Kinder sich ihrer Geschlechterrollen bewußt werden, zum einen mit der Mutter (weil in der prä-ödipalen Phase über Lust-Unlust-Differenzierungen bestimmte Beziehungsmuster aufgebaut wurden) und andererseits, auf der Ebene der Geschlechterfindung, mit dem Vater.Das Mädchen dagegen identifiziert sich auf beiden Ebenen mit der Mutter. Der Vater wird von ihm lediglich als „Führer“ der Familie anerkannt. Beide wiederum identifizieren sich mit Vater und Mutter in Form von Familie als Ganzem. Diese natürliche Vorgabe von zwei verschiedenen Geschlechtern ist Voraussetzung dafür, daß Kinder sich auf die Heterosexualität des Erwachsenenalters so vorbereiten können, daß ihnen die eigene sexuelle Integration zufriedenstellend gelingt. Homosexuelle Beziehungen können diese von der menschlichen Natur geforderten Voraussetzungen schwerlich bieten. Auch wird durch die unterschiedlichen Partizipationsmöglichkeiten, Interessen und Wünsche der verschiedenen Geschlechter gesellschaftliche Realität auf eigene Weise interpretiert und integriert. Dies erhöht in der Folge die Auswahlmöglichkeit des Kindes und gibt ihm die Möglichkeit, Alternativen in bezug auf seine eigenen Kommunikationsformen zu entwickeln. Man kann diese Gedanken dahingehend zusammenfassen, daß homosexuelle Beziehungen als Grundlage von Familie mit dem Ziel der Erziehung von Nachwuchs in radikalem Gegensatz zu jeder auch nur halbwegs normal ausgebildeten sittlich-intellektuellen Verfassung stehen. Nur die traditionelle Form von Familie, gebildet aus biologischem Mann und biologischer Frau, weist die von der Natur geforderte Geometrie auf, die der Forderung des Kindes nach einer symmetrischen Beziehung innerhalb der Familie entgegenkommt. Ethisch betrachtet, so schreibt der Religionsphilosoph Sören Kierkegaard, erreicht die Frau ihre Vollendung in der Hervorbringung von Kindern. Doch verzichten heute viele Frauen bewußt auf Kinder, weil sie sich der Einbußen bewußt werden, die der Nachwuchs mit sich bringt. Es wird ihnen klar, daß sich mit der Anzahl der Kinder die Chancen verringern, Geld zu verdienen. So sinkt auch seit den sechziger Jahren die Zahl der Geburten europaweit. Dabei ist der Anteil kinderloser Frauen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern in der Europäischen Union besonders hoch. Eine internationale Vergleichsstudie zur Bevölkerungspolitik hat ergeben, daß die Deutschen diejenigen sind, bei denen der Kinderwunsch am geringsten ausgeprägt ist und die Ehe mit Kindern als Lebensform am schlechtesten angesehen ist. Dieses Verhalten ist gesellschaftlich nun auch akzeptiert: Galt früher Kinderlosigkeit als Grund, die Frau zu verstoßen, so berichten Betroffene heute kaum noch über Diskriminierungen. Dänemark bildet hier eine Ausnahme: hier ist die Zahl der Geburten um 10 Prozent angestiegen. Wenn eine Frau dennoch ungewollt schwanger wird, ist das Problem heute dank liberaler Abtreibungsgesetze schnell gelöst. 1975, so schätzt man, gab es zwischen 75.000 und 300.000 Abtreibungen. Dafür wurden zwischen 100 und 200 Personen bestraft. Dabei nimmt die Richtung der Argumentationen auch von seiten des religiösen Systems eine immer stärkere liberale Einstellung gegenüber Abtreibungen ein und fördert sie auf diese Weise. Dabei unterstützt die Wissenschaft mit ihren Programmen diese Differenzierungen: Heute ist es möglich, Kinder im Reagenzglas zu zeugen; der Frau ist es damit gestattet, ihren Kinderwunsch ohne einen Vater, beziehungsweise mit einem Vater aus dem Reagenzglas zu erfüllen. Ehe und Sexualität werden zunehmend getrennt. Die Moderne hat den Koitus – ohne Schwangerschaft, dafür in allen Formen – zur Pflicht erhoben, schreibt der Soziologe Ulrich Beck in seiner Risikogesellschaft und der Philosoph Otto Weininger gibt die Antwort: „Aber nicht um sich zu vergessen, wie der Römer, der Grieche im Bacchanal, sondern um sich zu finden und der eigenen Ödigkeit einen Inhalt zu geben.“ Zu beobachten ist dann auch, daß Frauen ihre Sexualität stärker wahrnehmen und Anspruch auf ein befriedigendes Sexualleben auch ohne Ehe verlangen. Wenn es aber immer weniger Menschen gibt, die bereit sind, eine Ehe oder auf Dauer angelegte Beziehungen mit dem Wunsch nach Kindern einzugehen, bleibt auch die Liebe in ihrer Möglichkeit zur Vollendung zurück. Diese Veränderung von Familienstrukturen kann man als evolutionären Fortschritt bezeichnen. Dabei beinhaltet der Begriff Fortschritt keine Wertung. Evolution kennt keinen Wert. Sie war und ist auch nicht besonders elegant, es geht ihr auch nicht um Schönheit. Vielmehr steht die Stabilität des Gesamtsystems oder, wie Darwin schreibt, die „Symmetrie des Wachstums“ im Vordergrund. Schönheit und Eleganz sind bei der Evolution keine Kriterien, höchstens Nebenerscheinungen, vielmehr geht es um Nützlichkeit, Blumen sind auch nur deshalb bunt, damit sie von den Insekten leichter gefunden werden können. „Die natürliche Zuchtwahl wird nie bei einem Wesen etwas erzeugen, was für ein Tier mehr schädlich als nützlich ist, denn sie wirkt nur durch und für den Vorteil des einzelnen Tieres.“ Auch die Veränderung der Institution Familie hat einen Vorteil für das Gesamtsystem. Es ist stabiler und in allen Bereichen leistungsfähiger geworden. Doch blockiert dieser „Fortschritt“ gleichsam einen Blick in die Geschichte der Evolution. So fragt sich heute fast niemand mehr, wenn er einen grünen Vogel sieht, ob dieser Vogel im Laufe der Evolution einmal eine andere Farbe oder gar andere Eigenschaften hatte. Jeder, der jetzt damit zu tun hat, greift auf fixierte semantische Bestände zurück und orientiert sich in seinen Handlungen daran. Eines Tages wird vielleicht auch niemand mehr auf den Gedanken kommen, daß es einmal Lebensformen gegeben hat, in denen Kinder eine lange Zeit unter der Obhut von zwei unterschiedlichen Geschlechtern aufgewachsen sind. Weil Frauen in der Regel mehr arbeiten müssen, um sich ihre Wünsche ohne Partner erfüllen zu können, verändert das ihre Beziehung zum Nachwuchs. Frauen, die sich in die Strukturen des Marktes begeben, können nie persönliches Vertrauen erfahren. Familie – wenn dieser Begriff überhaupt noch in der Lage ist, die Wirklichkeit der neuen Lebensformen wiederzugeben – steht nach den bisherigen Ausführungen zunehmend unter dem Einfluß der kommunikativen Herrschaft der Systeme. Die Elemente, die Familie auf dieser Kulturstufe erzeugt, sind die Elemente, die das Gesamtsystem zu seinem Fortschritt im Sinne von Steigerungsinteressen fordert. Was dabei herauskommt, sind im besten Falle Fachmenschen ohne Seele, ohne jeden kreativen Geist. Machen diese Menschen „Karriere“, bilden sie sich in nicht wenigen Fällen auch noch ein, die Krone der Schöpfung zu sein. Besonders die Frau wirkt in ihrer neuen Rolle grotesk. Sie war das eigentlich bildende Element der traditionellen Familie, Familie ist nicht umsonst eine weibliche Sprachform. Die Frau ist von ihrer naturellen Veranlagung konservativ eingestellt, das ist unter anderem daran zu sehen, daß sie Traditionen in stärkerem Maße weiterträgt als Männer. Auch ist ihr der „Beruf“ der Mutter angeboren. Löst sie sich aus allen traditionellen Bindungen, wird sie in den meisten Fällen zügelloser und rücksichtsloser werden als der Mann es je sein kann. Dies ist um so mehr der Fall, als sie ihre Natur verleugnet. Die grundsätzliche Frage nach der Zukunft der Familie hängt von der Entwicklung ihrer Umwelt ab. Wird diese wieder in ein Stadium versetzt, das dem früheren Zustand entspricht, werden auch traditionelle Strukturen wiederbelebt. Doch kann das nur funktionieren, wenn sich die Identität der Form noch nicht zu stark verändert hat. Identität bedeutet in diesem Zusammenhang das Kollektiv an Bewußtseinsstrukturen und semantischen Beständen innerhalb von kleinen Gruppen; haben sie sich aufgrund von Umwelteinflüssen zu massiv an die Forderungen der Systeme angepaßt, ist eine Rückkehr zu traditionellen Formen nicht mehr möglich. Dann werden die neuen Formen erst untergehen, wenn das System, das sie erzeugt hat, selbst untergeht. Und ob das noch fern ist, kann bezweifelt werden. Denn, so warnt der Philosoph Ivan Illich, hat die Hybris einen bestimmten Punkt überschritten, so ist die Nemesis, die furchtbare Rache der Götter für den Mißbrauch verliehener Privilegien, nicht mehr fern. Dr. Michael Mayer ist Soziologe, Sozialarbeiter und Publizist. Foto: Gustav Klimt, Der Kuß (Detail), 1907: Ist Innigkeit noch möglich?

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