Evangelischer Kirchentag

Ostern, das höchste Fest des Christentums: Nur an Weihnachten finden mehr Gläubige ihren Weg in die Kirchen. Sie kommen in die Gebäude einer Institution, die schwer erschüttert ist. Besonders betroffen ist die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Beispiel Berlin-Brandenburg: Innerhalb von zehn Jahren sanken die Kirchensteuereinnahmen infolge von massenhaften Austritten um 40 Prozent. Bundesweit, so Pressemeldungen, würde fast die Hälfte der 20.000 Kirchen künftig aufgrund der fallenden Mitgliederzahlen nicht mehr benötigt. Die katholische Kirche will allein in Berlin die Zahl ihrer Gemeinden durch Zusammenlegungen von 207 auf 110 halbieren. Nun sollte man erwarten, die Kirche reagiere auf ihren drohenden Konkurs wie ein ins Trudeln geratenes Unternehmen dadurch, daß die Marketingstrategie überdacht würde. Doch weit gefehlt: Vor allem die evangelische Kirche setzt auf Untergang – volle Kraft voraus. Wäre der Kapitän der „Titanic“ von der EKD gestellt worden, er hätte das Schiff auch ohne Eisberg versenkt. Zu diesem Eindruck muß man kommen, wenn man sich das Programm des diesjährigen Evangelischen Kirchentages ansieht, der vom 25. bis 29. Mai in Hannover stattfindet. Für helle Empörung sorgte bereits in den letzten Wochen der geplante Auftritt des TV-Moderators Michel Friedman. Erst nach einer überraschenden Welle von Protesten einfacher Kirchenmitglieder, aber auch von Frauenrechtsgruppen hat Friedman nun abgesagt. Anhaltenden Unmut ruft der Auftritt des „TV-Pfarrers“ Jürgen Fliege hervor, der aktuell von sich reden macht, indem er die Forderung nach einer „Kuschel-Kirche“ und der Abnahme des Kreuzes in den Kirchen aufgestellt hat, weil es „grausam und bedrückend“ wirke. Den Vogel schoß er ab, als er erklärte, es gebe keinen „wahren einzigen Gott und keinen einzig wahren Glauben“. Das Programm des Kirchentages wimmelt von Veranstaltungen pro Homosexualität, es wird sogar ein „Segnungsgottesdienst für gleichgeschlechtliche Paare“ der Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter angekündigt, man wird überschwemmt von religiösen Angeboten aller Richtungen, ob moslemisch, buddhistisch, esoterisch. Das Wort „Christenverfolgung“ sucht man im 608 Seiten umfassenden Programm jedoch vergebens. Der Begriff „Lebensrecht“ taucht dreimal auf, Abtreibung einmal. Indessen lädt der Kirchentag zum Freitagsgebet in die Jama’at-un-Nur Islamische Gemeinde Hannover ein und diskutiert unter dem Motto „Mission impossible?“ nicht etwa die Christliche Mission, sondern gibt Nadeem A. Elyas, dem umstrittenen Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, ein Podium. Die Teilnahme auf dem Kirchentag verweigert wurde, wie konservativ-evangelikale Kreise kritisieren, dem messianisch-jüdischen Verein Beit Sar Shalom, dem in Deutschland 15 Gemeinden von Juden angehören, die sich zu Jesus als Messias bekennen. Die Kirchentags-Leitung lehnte den Antrag mit der Begründung ab, die christliche Mission von Juden sei mit den Zielen der Veranstaltung nicht vereinbar. Die Herbeiführung der religiösen Beliebigkeit unter Christen offensichtlich schon.

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