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Philipp Gut: „Gesellschaft mit der Souveränität eines Sklaven“

Vizechef der Schweizer Weltwoche schreibt in der JF über Redeverbote und Tabus

BERLIN/ZÜRICH. „Eine Gesellschaft, die abweichende Meinungen mit Sanktionen bedroht und die Schere selbst an harmlose Kinderbücher ansetzt, beweist die Souveränität eines Sklaven“, schreibt Philipp Gut, stellvertretender Chefredakteur der Schweizer Weltwoche, im Leitartikel der morgen in Berlin erscheinenden Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT (JF).

So sei es „Humbug“, einem konservativen Katholiken wie Martin Lohmann vorzuwerfen, daß er konservativ-katholische Werte vertrete. Den Vogel habe aber jüngst der Verleger Klaus Willberg vom Stuttgarter Thienemann-Verlag abgeschossen, der historische Ausdrücke wie „Negerlein“ aus seinen Kinderbüchern streichen wolle. Dieser eifere dem Hamburger Verlag Friedrich Oetinger nach, der zuvor „Pippi Langstrumpf“ von „Negern und Zigeunern“ gesäubert habe. Wenn diese Beispiele Schule machten, so Gut, dann „werden in der halben abendländischen Kultur Löcher klaffen“.

Alles, was diesem „neuen Jakubinertum“ der politischen Korrektheit widerspräche, würde umgehend geahndet. Dabei verkenne der „kollektive Wächterrat“ die „Ironie des Phänomens: Zum Vorschein kommt die Intoleranz der Toleranten“, schreibt Gut. Die „Progressiven, Linken, Netten“ würden sich vor den Augen der staunenden Zeitgenossen in „Karikaturen repressiver Machtapparate“ verwandeln.

Gut habe dies kürzlich selbst in der ARD-Sendung „Menschen bei Maischberger“ erlebt: Nachdem er über „die Fakten des steigenden Kriminaltourismus von professionellen Roma-Diebesbanden“ gesprochen hatte, „verweigerte Grünen-Chefin Claudia Roth Handschlag und Gruß. Aus ihren Augen blitzte blanker Haß. Was nicht sein soll, gibt es nicht. Redeverbote und Tabus verstellen die Sicht auf die Realität“, so Gut.

Dr. Philipp Gut ist stellvertretender Chefredakteur und Inlandschef der Schweizer Weltwoche. Zudem veröffentlichte er eine preisgekrönte Studie über „Thomas Manns Idee einer deutschen Kultur“ (S. Fischer, 2008).

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