BERLIN. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat im Streit um das Versagen nach dem linksextremistischen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke und dem anschließenden Stromausfall in Berlin nun seiner Innensenatorin schwere Vorwürfe gemacht. Der 53jährige warf Iris Spranger (SPD) vor, ihn über den Anschlag zu spät informiert zu haben. Spranger habe ihn am Sonnabend erst um 8.07 Uhr unterrichtet, als er gerade am Frühstückstisch saß. Andere Mitglieder des Senats seien bereits früher informiert gewesen, berichtet die B.Z.
In einer internen Sondersitzung der Berliner CDU-Fraktion soll Wegner eine Abrechnung mit seiner Innensenatorin angekündigt haben. Besonders brisant ist der Vergleich mit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD), die sagte, sie sei bereits gegen 6 Uhr informiert worden, als sie auf einem Betriebshof der Berliner Stadtreinigung im Einsatz war. Die frühere Information wurde mit ihrer fachlichen Zuständigkeit für das Stromnetz begründet, wie die B.Z. schreibt.
Wegner spielte mit Freundin Tennis
Parallel zu dem internen Streit geriet Wegner selbst unter Druck, nachdem bekannt wurde, daß er am Sonnabend zwischen 13 und 14 Uhr eine Stunde Tennis gespielt hatte, während noch zehntausende Haushalte ohne Strom waren. Der CDU-Mann hatte zuvor öffentlich behauptet, er habe sich „den ganzen“ Tag zu Hause eingeschlossen, um wichtige Telefonate zu führen. Wegner verteidigte sich später bei Welt TV, er habe „einfach den Kopf freibekommen“ wollen. Zugleich betonte er, während des Tennisspiels telefonisch erreichbar gewesen zu sein.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erregte die Tatsache, daß Wegner nicht allein spielte. Mit ihm auf dem Tennisplatz stand seine Lebensgefährtin, Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Die Senatskanzlei bestätigte dies gegenüber mehreren Medien. Beide Politiker sind seit 2023 offiziell ein Paar.
CDU weist Kritik zurück – „nicht bei klarem Verstand“
Rückendeckung erhielt Wegner aus der eigenen Partei. Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus stellte sich nach der Sondersitzung hinter den Regierenden Bürgermeister. Nach Angaben mehrerer Teilnehmer gab es keine Kritik an dem Tennismatch. Wegner räumte gegenüber der Fraktion ein, daß er die Öffentlichkeit früher über seine sportliche Pause hätte informieren sollen, berichtet die dpa. Der früher Fraktionsvorsitzende, Burkard Dregger, verteidigte Wegner gegenüber dem Stern. Wer Wegners Tennismatch nun kritisiere, könne „nicht bei klarem Verstand“ sein. Es sei „absurd“, darüber zu diskutieren, ob ein Regierender Bürgermeister eine Stunde Sport machen könne.
Scharfe Kritik kam dagegen vom früheren Regierenden Bürgermeister Walter Momper (SPD). Er sagte der dpa, Wegner habe „die Dimension der ganzen Geschichte nicht erkannt“. Zudem habe er „nicht angemessen reagiert“. Zwar sei das Verhalten „nicht unentschuldbar“, doch bedürfe es der Aufklärung, „wie der Tag für ihn verlaufen ist und wie er sich da angestellt hat“. Daß Wegner zum Tennis gegangen sei, erscheine ihm „ein bißchen abwegig gewesen zu sein“.
Wegner plant nun, am 15. Januar eine Regierungserklärung abzugeben. Dabei soll auch der Ablauf der Krisenkommunikation innerhalb des Senats thematisiert werden. (sv)






