Ein Taliban hält am Flughafen von Kabul Wache: Eine Familie aus Niedersachsen kann nicht ausfliegen Foto: picture alliance / AA | Haroon Sabawoon
Ein Taliban hält am Flughafen von Kabul Wache: Eine Familie aus Niedersachsen kann nicht ausfliegen Foto: picture alliance / AA | Haroon Sabawoon

Aktualisiert
 

Auswärtiges Amt soll Familie aus Urlaub in Afghanistan holen

WOLFENBÜTTEL. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Viktor Perli hat das Auswärtige Amt gebeten, eine Familie aus Afghanistan zu holen, die für einen Besuch dorthin gereist war und seit der Machtübernahme der Taliban dort festsitzt. „Ich mache mir große Sorgen um die Familie. In Absprache mit der Schule und der Landrätin habe ich unmittelbar das Auswärtige Amt eingeschaltet und um Unterstützung gebeten. Das Ziel ist eine schnelle Rückkehr der Familie“, schrieb er am Donnerstag auf Twitter.

Die Familie sei zu Beginn der Sommerferien nach Afghanistan zum Verwandtschaftsbesuch gereist, sagte die Schulleiterin der Henriette-Breymann Schule in Wolfenbüttel, Katrin Unger, dem Nachrichtenportal regionalHeute.de. Zwei der Kinder sind demnach Schüler der Lehranstalt.

Unger räumte ein: „Natürlich ist immer die erste Frage, warum die Familie überhaupt nach Afghanistan geflogen ist. Tatsächlich ist die Familie mit einer Portion guten Glaubens dort hingefahren. Und mit dieser Einschätzung sind sie ja auch nicht ganz alleine. Da gab es Politiker, die die Situation ebenfalls falsch eingeschätzt haben.“

Familie lebe bei Verwandten

Die Familie mit sechs Kindern sei von dem Vormarsch der Taliban überrascht worden. „Es kam so plötzlich. Auf einmal waren die Taliban da und die Flughäfen dicht.“

Derzeit werde versucht, über Facebook und Messenger-Dienste Kontakt zur Familie zu halten. Diese lebe derzeit bei Verwandten am Stadtrand von Kabul.

Die Schulleiterin zeigte sich fassungslos über die Situation: „Man mag sich das gar nicht vorstellen, daß eine Familie mit sechs Kindern, die hier in Wolfenbüttel ihre neue Heimat gefunden hat und in der alle, außer der Mutter, einen deutschen Paß haben, nicht ausreisen und in ihre jetzige Heimat zurückkehren dürfen.“

Familie offenbar in Pakistan

Wie am Freitag nachmittag bekannt wurde, soll es der Familie gelungen sein, nach Pakistan zu kommen. Unger teilte regionalHeute.de mit, sie habe erfahren, daß die Familie in das afghanische Nachbarland durchgekommen seien.

Derweil laufen in Wolfenbüttel die Bestrebungen weiter, die Familie nach Deutschland zu holen. Linken-Politiker Perli gab demnach an, das Auswärtige Amt habe den Eingang seiner Unterstützungsbitte bestätigt.

KSK holt Afghanin und Kinder aus Kabul

Bereits Ende August hatte das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr (KSK) eine Familie aus Kabul zum Flughafen gebracht. Es handelte sich um eine Afghanin aus München mit ihren zwei Kindern.

Letztere besitzen laut Spiegel die deutsche Staatsangehörigkeit, die Mutter selbst aber nicht. Demnach war die Afghanin nach dem Abitur ihrer Tochter nochmals mit dieser und ihrem jüngeren Bruder nach Kabul geflogen, um die dort lebende Großmutter zu besuchen. Sie seien dann von der raschen Machtübernahme der Taliban überrascht worden und hätten es nicht ohne Hilfe zum Flughafen geschafft. (ag)

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