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Der islamische Gesichtsschleier läßt nur die Augen frei Foto: picture alliance / NurPhoto
Schleswig-Holstein

Grüne blockieren Verschleierungsverbot an Unis

KIEL. Die Grünen in Schleswig-Holstein haben ein Verbot der Vollverschleierung an Hochschulen vorerst verhindert. Nach rund einjähriger Beratung sprach sich die Grünen-Landtagsfraktion gegen ein entsprechendes Vorhaben ihrer Koalitionspartner CDU und FDP aus, sagte ihr hochschulpolitischer Lasse Petersdotter der Welt.

Die Grünen-Landesvorsitzende Ann-Kathrin Tranziska begründete die Entscheidung ihrer Partei mit dem Hinweis auf die Religionsfreiheit. „Eine weltoffene und rechtsstaatliche Gesellschaft zeichnet aus, daß religiöse Gefühle getragen oder auf sie verzichtet werden kann.“ Frauen werde nicht geholfen, wenn man sie von Bildung ausschließe.

Die CDU äußerte ihr Unverständnis über die Haltung der Grünen. Die Vollverschleierung sei „mit unserer Vorstellung des Zusammenlebens nicht in Einklang zu bringen“ und passe nicht zur Freiheit der Wissenschaft, betonte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Tobias von der Heide.

Universität und Konvertitin einigen sich

In der kommenden Woche soll das Thema erneut Gegenstand der koalitionsinternen Beratungen werden. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) beharrte darauf, daß eine gesetzliche Regelung in der Frage „zwingend erforderlich“ sei.

Hintergrund der Debatte war ein Fall an der Universität Kiel. Dort war Anfang vergangenen Jahres eine Studentin nach ihrer Konversion zum Islam vollverschleiert in Lehrveranstaltungen erschienen. Die Hochschulleitung verhängte ein Verschleierungsverbot und bat den Landtag um rechtliche Absicherung ihrer Entscheidung.

Inzwischen einigten sich die Universität und die Konvertitin darauf, daß sie vor einer Klausur ihren Schleier vor einer Frau lüften müsse, damit ihre Identität festgestellt werden könne. Im Gegenzug kann sie ihr Studium fortsetzen. (ag)

Der islamische Gesichtsschleier läßt nur die Augen frei Foto: picture alliance / NurPhoto

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