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SEK nimmt Mann fest
Das Spezialeinsatzkommando nimmt während einer Übung einen Mann fest Foto: dpa

Meiste Fälle in Berlin
 

Zahl der offenen Haftbefehle steigt

BERLIN. Die Zahl der offenen Haftbefehle in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen. Die deutschen Polizeibehörden suchten im März 175.395 Personen per Haftbefehl, meldete Zeit Online unter Berufung auf eine kleine Anfrage der Grünen. Das sind 12.000 Haftbefehle mehr als im Vorjahr – ein Anstieg um 7,5 Prozent. Unter den Gesuchten sind auch 151 religiöse Gefährder.

Die Gesetzeshüter brauchen dem Bericht zufolge zudem länger, um einen mutmaßlichen Verbrecher zu finden – im Schnitt 325 Tage vom Erlassen des Haftbefehls bis zur Festnahme. Vor zwei Jahren waren es 280 Tage.

Auf 10.000 Einwohner kommen in Berlin 24 offene Haftbefehle. Damit liegt die Hauptstadt auf Platz eins, gefolgt von Bayern (23) und Hamburg (19). Doch während in Berlin die absolute Zahl der Haftbefehle leicht sank, gab es in Bayern einen Anstieg um 14 Prozent. Insgesamt zählte Bayern 29.113 offene Haftbefehle, mehr waren es nur in Nordrhein-Westfalen.

Kriminalitätsbelastung sei nicht gestiegen

Das BKA sucht derzeit 22.856 Personen per Haftbefehl (plus 10,4 Prozent), die Bundespolizei 8.521 (plus 11,8 Prozent) und das Zollkriminalamt 3.262 (plus 6,7 Prozent). Ein Bundespolizist sagte der Zeitung, daß viele Haftbefehle aufgrund von Schleuserermittlungen offen seien. Hier habe die Zahl der Fälle stark zugenommen.

Dem Bericht zufolge lasse sich aus den Zahlen nicht folgern, daß die Kriminalitätsbelastung gestiegen sei. Die Polizei sei wegen Großereignissen wie dem G20-Gipfel ausgelastet. Darum habe es weniger Verkehrskontrollen gegeben, bei denen Gesuchte häufig aufgriffen würden.

Grüne kritisieren Bundesinnenminister Seehofer

Grünen-Bundestagsabgeordnete Irene Mihalic kritisierte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) für die hohe Zahl in Bayern. „Seriöse Innenpolitik hat Seehofer schon in Bayern nicht verantwortet, das sich gern als sicherheitspolitischer Streber profiliert, jedoch den vorletzten Platz in Deutschland einnimmt.“

Der Anstieg sei erschreckend und in hohem Maße erklärungsbedürftig, führte die ehemalige Polizistin aus. Seehofer müsse das Vollstreckungsdefizit in Deutschland in den Griff bekommen. „Es muß sichergestellt sein, daß man sich intensiv darum bemüht, gerade die besonders gefährlichen und gewalttätigen mutmaßlichen Straftäter so schnell es geht festzunehmen.“

Einen starken Zuwachs gab es auch bei politisch motivierter Kriminalität. Waren es vor zwei Jahren 1.354 offene Haftbefehle, stieg die Zahl in diesem Jahr auf 4.411. Davon hatten 2.731 einen religiösen Zusammenhang. Die Zahl der Fälle mit einem rechtsextremen oder religiösen Bezug ist angestiegen, beim Linksextremismus gab es hingegen eine Abnahme. (eli)

Das Spezialeinsatzkommando nimmt während einer Übung einen Mann fest Foto: dpa
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