Israelische Soldatin reicht Weißhelmen Wasser picture alliance/-/Israeli Defense Forces/dpa
Terroristen oder Friedensnobelpreisträger

Syrien kritisiert „Weißhelme“-Aktion Israels

BERLIN. Syriens Regierung hat die Überführung von 422 der sogenannten Weißhelme aus dem Süden des Landes über Israel nach Jordanien verurteilt. Die Assad-Regierung warf Israel laut der Nachrichtenagentur dpa vor, dies sei „eine kriminelle Operation“.

Israel hatte die Syrer einreisen lassen und nach Jordanien transportiert. Der Einsatz sei von der Uno organisiert worden und auf Bitten Deutschlands, Großbritanniens, Kanadas und der USA erfolgt. Die beiden europäischen Nationen und Kanada hätten verbindliche Zusagen gemacht, die Personen aufzunehmen.

Etwa 50 kommen nach Deutschland

Laut Innenminister Horst Seehofer (CSU) wolle Deutschland acht Weißhelme samt ihrer Familien aufnehmen. „Ihnen Schutz zu gewähren ist für mich eine humanitäre Verpflichtung und Ausdruck meiner Politik, für Humanität und Ordnung in der Migrationspolitik zu sorgen“, sagte er der Bild-Zeitung.

Zuvor hatte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) zugesagt, etwa 50 Personen nach Deutschland zu holen. „Die Weißhelme haben seit Beginn des Syrien-Konflikts mehr als 100.000 Menschen gerettet. Mehr als 250 von ihnen haben ihren Mut und ihre Mitmenschlichkeit mit dem Leben, viele mehr mit ihrer Gesundheit bezahlt. Ihr Einsatz verdient Bewunderung und jeden Respekt, und wir haben ihn aus Überzeugung unterstützt“, sagte Maas.

Er betonte: „Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, daß viele dieser mutigen Ersthelfer nun Schutz und Zuflucht finden, einige davon auch in Deutschland.“

Finanzierung ungewiß

Die Weißhelme wurden 2016 für den Friedensnobelpreis nominiert und mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Über 3.000 Personen zählen zu der Gruppe die parallel zum staatlichen syrischen Zivilschutz arbeitet. Die Gruppe wurde im März 2013 in der Türkei von James Le Mesurier gegründet, einem ehemaligen britischen Nachrichtenoffizier.

Der Anführer der Weißhelme, Raed Saleh, wurde trotz eines Visums mehrfach an der Einreise in die USA gehindert. Ein Sprecher des Außenministeriums legte terroristische Verbindungen als Grund für die Abweisung nahe.

„Jedes Individuum in jeder Gruppe, das im Verdacht steht, Verbindungen oder Beziehungen zu extremistischen Gruppen zu haben, wird untersucht. Wir handeln nach Datenlage entsprechend“, sagte Mark Toner. Gleichzeitig bezifferte er die finanzielle Unterstützung für die Gruppe. „Wir stellen durch USAID etwa 23 Millionen US-Dollar an Hilfe für die Weißhelme zur Verfügung.“

Mitglieder unter Terrorverdacht

Internetvideos und Fotos legen Verbindungen zu terroristischen Gruppen nahe. Diese zeigen wie Mitglieder der Weißhelme, Fahnen von ISIS und Al-Nusra schwenken. Auch an Hinrichtungen syrischer Zivilisten und Soldaten sollen sie beteiligt gewesen sein.

Des Terrorismus verdächtigt wurde auch Muawiya Hassan Agha, der Leiter der Weißhelme in Idlib. Er soll an der Hinrichtung zweier Kriegsgefangener in Aleppo beteiligt gewesen sein. Kurz nach seiner Suspendierung durch Saleh hatte er wieder eine führende Position in der Organisation inne. (mp)

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