Jörg Sartor (l.) und Peter Renzel
Jörg Sartor (l.) und Peter Renzel, Essener Sozialdezernent: Halten an Entscheidung fest Foto: dpa

Unterstützung von Bosbach und Dobrindt
 

Essener Tafel hält an Aufnahmestopp für Ausländer fest

ESSEN. Die Essener Tafel hält trotz Kritik an ihrem Aufnahmestopp für Ausländer fest. Es werde innerhalb der nächsten zwei Wochen ein Runder Tisch gegründet, um über die künftige Lebensmittelverteilung nachzudenken, teilte die Stadt Essen nach einer außerordentlichen Sitzung des Tafel-Vereins mit.

Dem Runden Tisch sollen neben der Essener Tafel und den Essener Wohlfahrtsverbänden auch „Vertreter des Verbundes der Essener Migrantenselbstorganisationen“ angehören. Moderiert wird das Gremium vom Sozialdezernenten der Stadt.

Es bestehe weiter Einigkeit darin, daß Alleinerziehende, Senioren und Familien mit minderjährigen Kindern im Mittelpunkt stehen sollten. Die Essener Tafel hat seit dem 10. Januar neue Lebensmittelberechtigungen vorübergehend nur noch Bürgern mit deutscher Staatsbürgerschaft ausgestellt.

Kritik an der Entscheidung kam unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Sozialministerin Katarina Barley (SPD) und der Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, Sawsan Chebli (SPD).

Bosbach und Dobrindt verteidigen Tafel

Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach äußerte jedoch Verständnis für die Essener Tafel. „Mir tut es von Herzen leide, daß sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel als Rassisten, als Nationalisten, als Faschisten oder Nazis beschimpfen lassen müssen“, sagte Bosbach der Welt. Er wolle die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Sozialministerin Katarina Barley (SPD) nicht kommentieren.

Es sei aber so, daß sich die Mitarbeiter der Tafel durchaus über Monate Gedanken gemacht hätten, wie man das Problem der Verdrängung lösen könne. Es gehe auch nicht um einen generellen Ausschluß von Ausländern bei der Tafel, sondern die Verantwortlichen in Essen hätten darauf reagieren müssen, daß bestimmte Bedürftige nicht mehr zur Tafel kämen, weil sie nicht ins Gedränge und Geschubse geraten wollten.

Er könne es daher gut verstehen, wenn sich die Mitarbeiter nun die jüngsten Beschimpfungen nicht mehr gefallen lassen wollten. Anstatt mit „gut gemeinten Ratschlägen aus dem Off“ sollte man den Ehrenamtlichen lieber wirklich helfen.

Unterstützung kam auch vom  CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt. Die Situation bei der Lebensmittelausgabe in Essen zeige, „daß die Integrationsfähigkeit unseres Landes eine Grenze hat“. Die Sichtweise der Essener Helfer finde er „nachvollziehbar“. (ls/krk)

Jörg Sartor (l.) und Peter Renzel, Essener Sozialdezernent: Halten an Entscheidung fest Foto: dpa
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