Geheimbericht

Behörden gehen von 1,5 Millionen Asylsuchenden aus

BERLIN. Nach Schätzungen deutscher Behörden werden die Zahlen der Asylsuchenden in den kommenden Monaten deutlich steigen. Allein von Oktober bis Dezember wird demnach mit 920.000 Asylbewerbern gerechnet, heißt es in einem Papier, das der Bild-Zeitung vorliegt. Insgesamt steigt die Zahl der Asylsuchenden in diesem Jahr damit auf 1,5 Millionen.

Im Durchschnitt holt dabei jeder anerkannte Antragsteller vier bis acht Familienmitglieder nach Deutschland. Laut der Bild muß deswegen zusätzlich mit 7,36 Millionen Ausländern gerechnet werden, die in den kommenden Jahren nach Deutschland einreisen.

„Zusammenbruch der Versorgung“

In dem Papier heißt es dazu: „Der Migrationsdruck wird weiter zunehmen. Für das vierte Quartal rechnen wir inzwischen mit sieben- bis zehntausend Grenzübertritten pro Tag.“ Diese hohe Zahl an Asylsuchenden drohe zu einer „extremen Belastung“ zu werden. Auch einen „Zusammenbruch der Versorgung“ schließen die Behörden nicht mehr aus.

Zudem zitiert das Blatt einen namentlich nicht genannten „Spitzenbeamten“ aus dem Bundesinnenministerium mit den Worten: „Wir haben komplett den Überblick verloren – wir wissen nicht, wer und wie viele zu uns gekommen sind. Es gibt nur Schätzungen – und auch die beruhen nur auf den Zahlen der Bundespolizei an den Südgrenzen in Bayern.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich bereits am Sonntag unbeeindruckt von den steigenden Asylzahlen gezeigt. Ihre Entscheidung, Tausende Asylsuchende aus Ungarn ohne gesetzliche Grundlage in die Bundesrepublik einreisen zu lassen, würde sie erneut so treffen, sagte sie dem Deutschlandfunk. Eine Beschränkung des Asylrechts lehnte sie ab: „An dieser Gesetzgebung werden wir nichts ändern.“

Grüne loben Merkel und kritisieren CSU

Lob erhielt Merkel von Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne). „Die Bundeskanzlerin hat wichtige Signale ausgesendet. Sie hat Sätze gesagt, die nach unserem Grundrechtsverständnis selbstverständlich sein müssen.“ Der CSU, die Merkels Asylpolitik wiederholt kritisiert hatte, warf sie eine „Orbánisierung“ vor.

„Ich glaube nicht, daß es hilft, wenn demokratische Parteien den Pegida-Sprech aufnehmen und glauben, damit den rechtsextremen Gruppen den Boden zu entziehen“, warnte sie in der Welt. Daß die Christsozialen Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orbán eingeladen hatten, sei ein „Affront“. Vom derzeitigen Asylansturm könne die deutsche Wirtschaft „enorm profitieren“.

Unterdessen warnte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) vor zunehmender Gewalt in Asylunterkünften. „Die Gereiztheit unter den Flüchtlingen steigt, das merken unsere Mitarbeiter, und sie versuchen in Streitfällen, wie auch die Polizei, zu schlichten“, sagte der schleswig-holsteinische Landesvorstand Torsten Geerdts der Nachrichtenagentur dpa. (ho)

Asylsuchende 2015 in Ungarn auf dem Weg in den Westen Foto: picture alliance/JOKER

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